h1

Der Sinn des Universums (1c)

8. Februar 2010

Dies ist der wirklich letzte Artikel über den Sinn des Wortes „Sinn“ in „Der Sinn des Universums“. Wer die Bedeutung bereits voll erfasst hat, möge mit „Der Sinn des Universums (2)“ fortfahren. Allen anderen wird dieser Artikel als zusammenfassende Darstellung empfohlen, die Erfassung der Bedeutung von „Sinn“ ist unbedingte Voraussetzung für das Verständnis von „Der Sinn des Universums (2)“ und anderen künftigen Artikeln.

Die folgende Illustration schematisiert unter Anderem einige Handlungen und Zustände, die für sich gesehen immanent sinnvoll sind.

Die hANNES wURSTsche sINNtraube

Die hANNES wURSTsche sINNtraube

Jedoch haben selbst solche immanent sinnvollen Tätigkeiten wie die Kolonialisierung des gesamten Universums gemäß der vorliegenden Untersuchung keinen Sinn, wenn es keinen allumfassenden, ganz oben eingetragenen, Sinn des Universums gibt. Bildlich gesprochen ist dieser Sinn, der aus sich selbst heraus sinnvoll ist, der Anker, der die ganze darunter hängende Sinntraube hält, die jedoch jämmerlich ins Nichts zerfällt, wenn dieser Anker nicht vorhanden ist. Das hANNES wURSTsche sinnlose Sinngebende (im Folgenden „sINN“) ist die Grundlage für die eventuelle Existenz jeden anderen Sinnes, da diesen anderen Teilsinnen erst durch diesen sINN transzendenter Sinn verliehen wird.

Worin und woraus (ein wofür gibt es natürlich nicht) dieser sINN besteht, kann selbstverständlich nur Gegenstand von Spekulation sein, da die Erfassung dieses Sinnes jenseits des transzendentalen Erfahrungshorizonts liegt. Es lassen sich jedoch genügend Eigenschaften des sINNs feststellen, um eine metaphysische Untersuchung zuzulassen (es gibt allerdings auch Wenig, was keine metaphysische Untersuchung zulassen würde). Aus den letzten Artikeln können folgende Eigenschaften des sINNs  entnommen werden.

  • sINN ist zeitlich und räumlich unbegrenzt
  • sINN verursacht kausal alles je Sinnvolle
  • Nicht alles je Existierende muss kausal durch sINN verursacht sein

Der letzte Satz bedarf einer Erläuterung, auch deshalb, weil sich hierin eine Unterscheidung von sINN und der traditionellen Auffassung eines allmächtigen, allgegenwärtigen Gottes zeigt. Es kann nämlich nicht vorausgesetzt werden, dass der sINN, auch wenn er existiert, das Universum vollständig durchdringt. Vielmehr ist es möglich, dass das Universum nicht nur aus sINN, sondern auch aus sCHROTT besteht.

Dieser sCHROTT entsteht durch sinnlose Vorgänge und Tätigkeiten, die selbst ein Laplacescher Dämon getrost außer Acht lassen könnte, wenn er den späteren Zustand des Universums bestimmt. Es handelt sich also um vollkommen nichtige Angelegenheit, die zwar theoretisch innerhalb des Gesamtsystems wirken könnten, es aber nicht tun, zum Beispiel weil eine Gegenwirkung eine Folgewirkung verhindert. sCHROTT liegt ebenfalls jenseits des Erfahrungshorizonts, diesmal aber unter diesem, denn er ist so nichtig, dass er nicht erfahren werden kann.

Es sei bemerkt, dass das Universum, sollte es nicht über einen sINN verfügen, in Gänze sCHROTT sein muss. In der nächsten Folge wird dann endlich der interessanten Frage nachgegangen, warum der Blogautor nicht einmal weiß, ob sINN existiert.

h1

Der Sinn des Universums (1b)

25. Januar 2010

Erneut haben uns einige Kommentare zur bisherigen Erörterung des Sinns des Universums erreicht, die nicht ohne Weiteres übergangen werden können. Leser, denen die Definition von Sinn bereits klar ist, mögen ohne Umschweife auf „Der Sinn des Universums (2)“ warten. Stellvertretend für einen breiten Tenor der Fragenden soll die folgende Elektropost eines Lesers aufgeführt werden, der namentlich nicht genannt werden möchte:

Hochverehrter Herr wURST,

es zeichnet sich meiner Meinung nach ab, dass Ihre Kolumne den epochalsten erkenntnistheoretischen Fortschritt seit der KrV und SuZ hervorbringt. Sie sind offensichtlich selber transzendent, Sie müssen ein Außerirdischer sein oder von den Toten auferstanden um […]

Nun zu meiner Frage: ist Ihre bisherige Definition von „Sinn“ nicht ein wenig schmal? So ist zum Beispiel der Sinn der Handlung des Verzehrs eines Wurstbrotes, nämlich die Sättigung, definitorisch nicht abgedeckt.

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Der Kommentator hat vollkommen recht. Der Sinn einer Handlung, die nicht potentiell eine kommunikative Handlung ist, wird im Rahmen dieser Untersuchung ausgeschlossen. Ansonsten wäre der Sinn des Universums durch die mannigfaltigen Handlungen aller möglichen Geschöpfe im Universum offensichtlich.  Der Sinn des Universums wäre dann nämlich, Herberge für unzählige Teil-Sinne zu sein, die vor allem aus Stoffwechsel, Reproduktion und ähnlichen immanent sinnvollen Vorgängen besteht.

Reproduktion und Stoffwechsel können jedoch höchsten Mittel zur Erfüllung des eventuellen eigentlichen Sinnes sein. Das gilt auch für Anliegen wie das der gerechten Lebensführung und der Fülle des individuellen Lebens. Diese Dinge sind biologisch immanent sinnvoll (häufig jedenfalls), für den Sinn des Universums jedoch wahrscheinlich von nachrangiger Bedeutung.

Um also „sinnvoll“ im Sinne diese Untersuchung zu sein, muss die Bedeutung einer Handlung oder eines Produkts tendenziell unbegrenzt sein. Das heißt, es muss zumindest als Teil einer Sinnkette fungieren können. So war beispielsweise das Handeln Christis oder Mohammeds potentiell sinnvoll, da ihre Lehren weitreichende Konsequenzen für die Menschheit hatten. Die Konsequenzen könnten wiederum Teil eines Plans sein, der in seiner tendenziellen Unbegrenztheit den eigentlichen Sinn der Handlungen von Mohammed und Christus ausmachen. Wenn jedoch die Menschheit sang- und klanglos untergeht, dann hatte das Handeln der Heiligen vielleicht noch immanenten Sinn, aber keinen Sinn im Sinne dieser Untersuchung.

Es kann eingewendet werden, dass „universaler, transzendenter Sinn“ laut dieser Definition nicht möglich ist, weil jede Bedeutung durch die Begrenztheit des Universums ebenfalls begrenzt ist. Tatsächlich ist es Meinung des Blogautors, dass ein zeitlich, räumlich oder inhaltlich beschränktes Universum sinnlos ist.

Ein Universum in Nietzsches Modell wäre ein Grenzfall. Sofern die ewige Wiederkehr tatsächlich eine immer gleiche Reproduktion der Gegebenheiten mit sich bringt, wäre das Universum (in Übereinstimmung mit Nietzsches Theorie) sinnlos im Sinne dieser Untersuchung. Sofern jedoch eine inhaltliche Begrenzung nicht gegeben ist und falls die Wiederkehr nicht bedeutet, dass früheres Wissen unwiderruflich verloren ist, könnte ein Universum in Form eines endlos geflochtenen Bandes durchaus sinnvoll sein.

h1

Der Sinn des Universums (1a)

15. Januar 2010

Angekündigt war eigentlich die Frage nach der seltsamen Unbekanntheit des Sinns des Universums. Jedoch erreichte uns  zur Definition des „Sinnes“ eine mehr oder weniger bedeutsame Frage von einem Kommentator (der anonym bleiben möchte). Diese Frage kann nicht einfach übergangen werden. Wer jedoch mit der bisher gegebenen Definition zufrieden ist, der möge ohne Umschweife auf den Artikel „Der Sinn des Universums (2)“ warten und diesen Artikel übergehen.

Hier die angesprochene Elektropost:

Hochverehrter Herr wURST,

mit größtem Interesse verfolge ich ihr ambitioniertes Projekt zur Erforschung des Sinns des Universums. Sie sind ein Genie, und ich hoffe sehr, dass auch wir bodenständigeren Leute (ich bin ein einfacher Neurophysiologe) durch das Studium Ihres Blogs ein wenige Erleuchtung in unser schattiges Leben […]

Nun meine bescheidene Frage. Was bedeutet „Intention“ in Ihrer zuletzt gegebenen Definition:  „Sinn ist die Intention einer Handlung oder das intendierte Produkt einer Handlung.“?

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Der Leser wird vielleicht erkennen, worauf diese so unschuldig daherkommende Frage abzielt: auf die scheinbare Zerstörung jeder Grundlage für die Existenz jeden Sinnes. Eine Intention nämlich setzt eine mehr oder weniger konstante Motivation eines Subjekts voraus, die im Menschen durch den sogenannten „freien Willen“ verursacht wird. Dieser freie Wille ist ein philosophisch hoffnungslos überladenes Konstrukt, dessen Existenz regelmäßig bezweifelt wird.

Tatsächlich ist es so, dass einige Experimente nahelegen, dass der individuelle Wille nichts anderes ist als der trügerische (aber aus Koordinationsgründen überlebenswichtige) Eindruck des Subjekts, die Aktionen befohlen zu haben, die der Körper des Subjekts ausführt. Dass es sich dabei eben nur um ein Gefühl und keine Tatsache handelt, das legt zum Beispiel das Libet-Experiment nahe oder erst recht die Elektrostimulation bestimmter Hirnareale, die sowohl das Zucken von Gliedmaßen auslöst, als auch des Gefühl des Probanden, dieses Zucken willentlich hervorgerufen zu haben.

In einem innigen Verhältnis zu den Fragen nach der Willensfreiheit stehen die Theorien zum Determinismus (kurz: die physikalische Notwendigkeit, dass alles so kommt, wie es kommt, und keiner konnte je etwas daran ändern) des Universums ein. Für jede mögliche Kombination von Determinismus und Willensfreiheit gibt es Vertreter, so zum Beispiel auch die Meinung, dass das Universum komplett determiniert ist und dennoch Willensfreiheit existiert. Dies kann an dieser Stelle aus Kostengründen (Aufmerksamkeitsökonomie) nicht vertieft werden.

Es bleibt jedoch leider dabei: die Existenz von Intention im Sinne von Willensfreiheit ist tatsächlich unbewiesen. Allerdings: auch wenn es möglich ist, dass der Mensch keinen freien Willen hat, bedeutet das nicht, dass es keinen freien Willen gäbe. Aber auch die Nicht-Existenz von Willen und Intention lässt Raum für die Suche nach dem Sinn des Universums.  Die Fragestellung ist aporetisch und niemand hat behauptet, dass transzendenter Sinn überhaupt existiert. Hier wird nur mit Möglichkeiten und vielleicht noch mit Plausibilitäten und Wahrscheinlichkeiten gearbeitet, sicherlich auch mit Wunschvorstellungen.

Wenn es also keine Intention gibt, dann löst sich die gegebene Definition wie folgt auf: „Sinn ist nicht-existent oder das Produkt von Nicht-Existenz.“ Mit anderen Worten: es gibt keinen Sinn, es sei denn, Sinn kann auch aus etwas Nicht-Existenten entstehen. Was einigermaßen seltsam wäre, denn demnach könnte es ähnlich wie es einen unbewegten Beweger im kosmologischen Gottesbeweis gibt, auch einen sinnlosen Sinngeber im hANNES wURSTschen Sinnbeweis geben.

Die Untersuchung kann dann hoffentlich bald mit der Frage fortschreiten, warum (zumindest dem Schreiber) der Sinn des Universums nicht bekannt ist.

h1

Der Sinn des Universums (1)

13. Januar 2010

Die Erforschung der Sinnhaftigkeit aller Dinge ist die wichtigste Triebfeder philosophischer Neugier. Da die Ergebnisse jedoch allesamt spartanisch ausfallen, wird hier der Frage nach dem Sinn des Universums mit frohem Mut und ohne Rücksicht auf Verluste zuleibe gerückt.  Begeben Sie sich mit dem hANNES wURST Blog auf einen aporetischen Ausflug mit unbekanntem Ziel.

In diesem ersten Teil wird geklärt, was „Sinn“ überhaupt ist. Nicht gemeint sind die menschlichen Sinne („Geruchsinn“ etc.) und auch nicht der Uhrzeigersinn, sondern der Sinn eines Vorgangs oder eines Zustands. Die Nominalisten unter Ihnen brauchen nicht weiterzulesen, da der „Sinn“ demgemäß eine abstrakte Entität ist.

Ein paar Anwendungsfälle zeigen die schwierige genaue Verortung der Bedeutung von „Sinn“:

  1. „Der Sinn des Berges ist, mein Herz zu erfreuen.“ Dies ist eine problematische Aussage, da der Berg wahrscheinlich schon längst existierte, bevor die Existenz des Herzens des Sprechers absehbar war. Dennoch: theologisch (und teleologisch) macht die Aussage Sinn, da die Schöpfung unter anderem auch den Sinn hat, das Herz des Sprechers zu erfreuen. Daran wird deutlich: der Sinn des Zustands kommt und geht hier mit der Intention des Erzeugers des Zustands. Wenn der Sprecher den Sinn des Berges einfach zu seiner Privatsache erklärt, dann erscheint das wenig plausibel. Der Sprecher schafft sich dann diesen Sinn, er kann also sagen „ich nutze den Berg in dem Sinnne…“ aber er kann nicht sagen „der Berg hat den Sinn…“.
  2. „Der Sinn des Handkäs ist, mir wohl zu munden.“ Weniger problematisch. Jedenfalls dann, wenn der Handkäs vor allem für den Verzehr des Sprechers gedacht war. Hat der Sprecher den Handkäs geklaut, dann scheint die Aussage nicht plausibel – eher hat der Sprecher den Handkäs seines Sinnes entstellt oder ihn zumindest gebeugt. Hier zeigt sich, wie nah Sinn und Semantik verwoben sind. Die Handlung der Handkäsherstellung gleicht einem kommunikativen Akt. Ebenso könnte ein Lob hergestellt werden und nur für einen bestimmten Empfänger gemeint sein. Deswegen scheint es unnötig, Sinn und semantischen Sinn voneinander abzugrenzen.
  3. „Der Sinn der Leber ist der Abbau von Blutalkohol.“ Problematisch. Erstens: die Leber wurde von „der Natur“, „der Evolution“ oder „von Gott“ hergestellt. Die Evolution (das gilt auch für alle anderen natürlichen Vorgänge) scheint sinnvoll, die trainierte Leber als überlebenswichtiges Organ erst recht. Aber: wer nicht gerade Kreationist ist, der geht wahrscheinlich davon aus, dass die Leber aufgrund einer natürlichen Notwendigkeit  so ist wie sie ist. Hier wird also der Leber ähnlich wie dem Berg in Beispiel 1 ein Sinn verliehen. Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem der Sinnfindung. Nach dieser Logik hat der Berg für den Atheisten keinen Sinn. Das wird der Atheist bestreiten, denn er ist ja nicht zwangsläufig ein Nihilist. Das nächste Beispiel hilft weiter.
  4. „Der Sinn des Wegweisers ist es, den Weg nach Rom zu weisen.“ Dazu stelle der Leser sich bitte einen spitzen Stein vor, der tatsächlich Richtung Rom zeigt. Zufällig, denn tatsächlich handelt es sich um einen natürlich so entstandenen Stein. Außerdem wurde mit zittriger Schrift „Roma“ in den Stein eingraviert. Auch rein zufällig von Wind und Regen aufgrund seltsamer Steinbeschaffenheit und seltener Witterung. Froh folgt der Wanderer, ein Atheist, dem sinnvollen Wegweiser. Ein anderer holt ihn ein und sagt: „Dieser Stein hat überhaupt keinen Sinn!“ Der Erste: “Zeigt er denn den Weg nach Rom?“ Der Andere: „Ja, aber nur rein zufällig.“ „Also hat er durchaus Sinn!“ „Wie sollte er, der Regen hat ihn geschliffen.“ „Spätesten jetzt hat er Sinn, denn ich lasse ihn so wie er ist.“

Vielleicht kann man den Konflikt der Wanderer so lösen: der erste Wanderer, hier der Atheist, definiert Sinn so: „Sinnvoll ist das, worin ich Sinn sehe.“ Der Zweite, vielleicht ein Theologe, ein Metaphysiker oder ein Aporetiker: „Sinn ist die Intention einer Handlung oder das intendierte Produkt einer Handlung.“

Diese Perspektive des Aporetikers ist die Perspektive, die im Folgenden bei der Suche nach dem Sinn des Universums eingenommen wird. Es wird also nach dem Sinn in Form eines Kommunikationsakts geforscht, systemtheoretisch nach einem Sinn der außerhalb der menschlichen Gedankensphäre verankert ist.

Das zweite Sujet, das Universum, ist einfacher definiert: die Summe alles Existierenden. Also auch jenseits des transzendentalen Horizonts Existierende. Es gibt demnach nur genau ein Universum. Quantenmechanische „Many-Worlds“ Interpretationen lassen wir außen vor, denn sie tun bei näherer Betrachtung nichts zur Sache.

Wie der Leser sich schon denken kann, geht es im Folgenden vor allem darum, ob das Universum ein Berg oder ein Handkäs ist. Dazu wird in der nächsten Folge ermittelt, warum der Sinn des Universums (zumindest dem Schreiber) eigentlich unbekannt ist.

h1

Huge Tits on Rotten.com

8. Januar 2010

Liebe 2-3 Leser,

das hANNES wURST Blog wurde soeben relauncht. Wir haben fünfzig Produktmanager eine Woche lang bei Austern und Partydrinks in eine Garage gesperrt. Ergebnis dieses “Brainstormings” waren folgende Maßnahmen:

  1. SEO Optimierung. Daher die Überschrift dieses Artikels.
  2. Zielgruppenorientierung. Daher soll die Frequenz der Artikel weiter reduziert werden.
  3. Konzentration auf das Wesentliche. Daher wird dieses Blog in Zukunft hauptsächlich den Sinn des Lebens thematisieren und auch vor theologischen und experimentalontologischen Fragestellungen nicht zurückschrecken.

Gleichzeitig möchte ich mich für die bisher angesammelten Banalitäten in diesem Blog offiziell entschuldigen.

Mit freundlichem Gruß
hANNES wURST

h1

Quote of the Day

29. Dezember 2009

“Amazon is great! I find so much shit I never knew I wanted!”

h1

Mössel und das Berliner Stadtschloss

26. Dezember 2009

Der Diskussion über den Hildesheimer Marktplatz möchte ich mit Verspätung zwei längere Zitate aus Ernst Penzoldts “Powenzbande” (erschienen 1930) hinzufügen. Es geht um den Baurat Knipfel, der den Bauantrag des Baltus Powenz ablehnt:

“Dieses Knipfels Bauten gaben dem neuen Stadtteil das Gepräge, und sein Urteil galt alles in künstlerischen Fragen Mössels. Das Charakteristische seiner Bauweise war, daß er ihr längst bewährte Pläne vergangener Zeiten zugrunde legte. So konnte sich Mössel rühmen, manches weltbekannte Bauwerk in vorzüglicher Nachahmung sein eigen zu nennen. Der Schlacht- und Viehhof war in edler Renaissance, die Irrenanstalt in heiterem Barock, das neue Krematorium byzantinisch gebaut. Dabei hatten diese Gebäude ihren berühmten Mustern gegenüber den großen Vorzug, daß sie alle nagelneu waren. Wenn es ein Vorzug war. Denn was Knipfel betraf, so sah er die Dinge ganz anders an. Ein neues Haus im gotischen Stil etwas, das war erfahrungsgemäß häßlich, ein altes bemoostes aber romantisch schön. Darum ist es seinem Weitblick zu danken, daß er die neuen Baulichkeiten gleich von vornherein mit einer Art künstlichen Schimmels, das heißt sozusagen schon alt errichtete, und das gefiel allen wohl. Seiner Anregung verdankte Mössel auch das Marmordenkmal der unglücklichen Königin Luise (von Bernauer), obgleich diese edle Frau, wie Herr Valentin Knust in seiner kurzgefassten Geschichte der Stadt einwandfrei nachgewiesen, niemals in Mössel gewesen war. Bedauerlicherweise musste das Monument, das der Baedeker erwähnt, von Oktober bis April durch eine schlichte Holzverschalung geschützt werden, damit es nicht unter der Witterung leide.  Auch das neue Rathaus zu Mössel (nach Plänen Knipfels 1899 bis 1901 in spätgotischem Stil erbaut), mit prächtiger Fassade, hatte einen Nachteil. Es mußte in etwa der Hälfte der Zimmer sommers wie winters künstliches Licht gebrannt werden, da die Fenster aus stilistischen Gründen etwas zu klein gehalten waren. Nun war es im Inneren sehr ungemütlich und düster. Dazu kam, daß die verschlungene Schrift auf den reichgeschnitzten Türschildern der einzelnen Amtsräume, zum Beispiel des Standesamtes, für den Laien gänzlich unleserlich waren.“

[…]

„Powenz‘ zukünftiges Haus war allerdings mit äußerster Nüchternheit und Sparsamkeit entworfen. Es war gänzlich schmucklos, weil Schmuck verteuerte, ohne zu verschönern. Es glich wirklich einer Schachtel oder einem Würfel, wären nicht Fenster und Türen daran angemerkt gewesen. Als Grundmaß waren natürlich die Proportionen eines Ziegelsteines verwendet. Mit seinen großen Atelierfenstern hatte das Haus im Plane etwas Fabrikartiges, und Powenz gab offen zu, Leben sei an sich schon Arbeit genug, und seine Familie sei also nichts anderes als eine Firma zu Herstellung einer allerdings besonders kostbaren Ware, nämlich lebendiger Menschen.“

Das Bauhaus bestand schon eine Dekade, als dieser Text erschien, und Sullivan hatte 35 Jahr früher sein berühmtes Diktum „form follows function“ erlassen. Wenn die Funktion der Rekonstruktionsarchitektur ist, Sehnsüchte nach vergangenen, oft nicht miterlebten, vielleicht so gar nicht dagewesenen Zeiten zu bedienen, dann ist sie Sullivans Gesetz treu geblieben. Allerdings sagt dies einiges über die Gesellschaft aus, die eine solche Architektur wünscht. “As you are, so are your buildings.” stellt Sullivan 1924 fest. Vielleicht ist es wirklich so, dass viele Menschen selber so sind wie die rekonstruierten Gebäude von Hildesheim, Dresden und bald auch Berlin. Dem Schein zuliebe werden Authentizität und Praktikabilität geopfert. Es muss eine Mittelklassenlimousine sein, auch wenn ein Kleinwagen besser gepasst hätte und die Raten eigentlich zu hoch sind. Es ist folgerichtig, dass eine solche Gesellschaft sich auch mit Fassaden aus der Kaiserzeit umgeben möchte.

h1

Internationales Musikgewinnspiel

7. Dezember 2009

Anlässlich des zweijährigen Bestehens des hANNES wURST Blogs findet ein Gewinnspiel statt. Die Preisfrage: wie lautet der volle Name des fiktiven Dirigenten, der Titel der Langspielplatte ist, die das Lied enthält, auf den die obige Abbildung anspielt? Es soll dazugesagt sein, dass die Abbildung einen Knopf und einen Hebel darstellt, keinen Pitch-Bender.

Bitte mailen Sie Ihr Ergebnis mit Postadresse an Hannes.Schinken@gmx.de (bitte ändern Sie “Schinken” in “Wurst”, dies ist eine Maßnahme gegen das Echelon). Die drei ersten Einsender der richtigen Lösung erhalten jeweils eine selbst gemixte CD von hoher Güte. Ich gelobe feierlich, dass die mitgeteilten Adressdaten ausschließlich für den Versand des Gewinns verwendet werden.

Einsendeschluss ist der 31.12.3010.

Viel Erfolg!

h1

Der Sohn wird beerdigt, die Mutter spielt Computer

3. November 2009

Die Überschrift stammt aus einer Reportage von Katrin Hummel zum Thema Computerspielsucht am Beispiel des Online-Rollenspiels “World of Warcraft”. Der Artikel ist in der F.A.Z. vom 3.11.09 auf Seite 4 unter der nicht weniger reißerischen Überschrift “Wenn das echte Leben aufs Spiel gesetzt wird” im Politik Resort abgedruckt oder online hier abrufbar. Frau Hummel unterstreicht die besondere Gefährlichkeit des Spiels mit folgendem Zitat, das sie einem “Hilfeforum” entnommen hat:

„Bei uns fing mein Bruder (45) mit dem Spiel ,World of Warcraft’ an, aber in Maßen. Meine Mutter war davon begeistert. Also dachten wir uns, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, ihr das Spiel zu erklären, damit sie selbst spielen kann. Sie hat sich im Internet als eine 35-jährige heiße Braut ausgegeben, und da sie sich so verjüngt hat, existieren wir als Kinder natürlich nicht. Der Hammer war aber der 12. April dieses Jahres. Mein Bruder ist an diesem Tag gestorben, Sekundenherztod. Meine Mutter hat den anderen durchgeknallten Fuzzies aus dem Spiel gesagt, dass ihr Cousin gestorben sei. Sie ist nicht mit zur Beerdigung gegangen, angeblich könne sie das nicht. Als wir danach zu ihr gegangen sind, in der Hoffnung, einen Kaffee zu bekommen, war der PC-Bildschirm noch warm, sie hatte in der Zeit gespielt!“

Dies hat mich an zwei Dinge erinnert. Erstens an eine der ersten Call-In Shows a la “Domian”, bei der ein aufgeweckt klingender Jugendlicher der Moderatorin seine ellenlange Leidensgeschichte erzählte, wie er von Heim zu Heim geschickt wurde und immer ganz schlimme Dinge erlebt habe. Nach ungefähr dem fünften Heim erzählte er von einer Frau, die ihm quasi das Leben gerettet habe und seit dem wäre alles wieder gut. Die Moderatorin machte inzwischen einen skeptischen Eindruck und sagte wenn die Frau ihm so toll geholfen habe, dann wäre es doch nur fair wenn er ihren Namen nennen würde. Nach einer nur geringfügig zu langen Pause kam die Antwort: “Das war die Frau Tausendfreund.”

Keine Ahnung, ob das außer mir noch irgendwer lustig findet, für mich war es ein erhellend aporetischer Moment: war irgendetwas davon echt? War der Anruf nur ein Hoax? Ist der Anruf gestellt und von der Sendung geplant? Und: ist das überhaupt von Bedeutung? Gibt es hier eine “Wahrheit”, die erfahrbar sein sollte?

Zweitens erinnert mich das Zitat der F.A.Z. Redakteurin an The Wire, Staffel 5 (die meiner Meinung nach weltbeste Kriminalserie). Es geht unter anderem um einen Redakteur auf dem Weg zum Pulitzer Prize. Er schafft dies durch die Fabrikation von Nachrichten. Der Verlag, geschwächt durch die aktuelle Medienkrise darauf angewiesen jeden Scoop zu nutzen, lässt ihn gewähren, obwohl das Copy-Desk schon herausgefunden hat, dass die Quellen des Redakteurs gefälscht sind. Da die Stadtverwaltung und der Polizeiapparat ebenfalls ein Interesse an diesem Simulakrum haben, erfährt die Öffentlichkeit nicht, dass die von der Polizei erfundene und von dem Redakteur weitergesponnene Geschichte über Morde an Obdachlosen komplett fabriziert ist.

Auch hier hat die Wahrheit keine Bedeutung mehr.  Diesmal nicht, weil es in der Sache gleichgültig ist, sondern weil niemand der die Wahrheit kennt Interessen an der Preisgabe der Wahrheit hat.

Das ist insgesamt keine Neuigkeit. Jean Baudrillard hat in der 90ern festgestellt, dass der Golf-Krieg nicht stattgefunden hat. Paul Watzlawick hat darauf aufmerksam gemacht, dass Realität konstruiert wird, und nicht einfach “ist”. Und Schopenhauer, als Vorbereiter der Postmoderne, beginnt sein Monumentalwerk mit dem bekannten Satz: “Die Welt ist meine Vorstellung.” Angewandt auf virtuelle Welten könnte mit Recht auch gesagt werden: “die Welt ist mein Rollenspiel”.

Was den Baltimore Sun F.A.Z. Bericht so interessant macht ist die Vermischung von Realitätsebenen. Frau Hummel hängt den Artikel an einer jungen spielsüchtigen Frau auf, mit der sie wahrscheinlich auch gesprochen hat. Das groteske Zitat von der siebzigjährigen Rabenmutter hat sie – ich kann dies nur vermuten – einfach so im virtuellen Raum aufgeschnappt. So mischt sie fröhlich den einigermaßen realistischen Suchtbericht mit einem durchgeknallten Hoax das Heroin im Vergleich zu einem Rollenspiel wie ein Schnupftabäckchen erscheinen lässt.

Die Chance, über die sozialen Bedingungen der Rollenspielsucht zu berichten, nutzt Frau Hummel nur sehr oberflächlich. Die Sucht schreibt Sie dem alten Dopamin-Ausschuss Schmarrn zu, mit dem uns Wissenschaftler auch schon die Workaholics und die Sportfanatiker erklärt haben. Ungefähr so: “Der Mensch möchte sich wohlfühlen. Wir sehen im Kernspin dass Aktivität XY Wohlfühl Z auslöst. Deswegen macht Aktivität XY süchtig.” Interessanter wäre, warum sich Menschen in der virtuellen Welt tatsächlich wohler fühlen. Hummel schreibt dazu:

„World of Warcraft“ entfaltet nach Ansicht von Fachleuten von allen Online-Rollenspielen das größte Suchtpotential. Weil Blizzard dem Spiel in regelmäßigen Abständen neue Spielebenen hinzufügt und in diesem Augenblick fast alles, was die bereits geschaffenen Charaktere sich bis zu diesem Zeitpunkt erarbeitet haben, wertlos wird, können auch Neueinsteiger schnell auf der obersten Ebene mitspielen.

Besonders suchtgefährdet sind Menschen, die im wirklichen Leben wenig Erfolg haben.

Dass das Rollenspiel eben genau das bietet, was die Gesellschaft nicht mehr hergeben will aber hergeben sollte, dass Blizzard mit diesem Spielsystem eine Art von Steuer etabliert hat, sieht sie nicht. Aber sie meint, dass in Asien und den USA “zehntausende Menschen” davon leben, professionell das Spiel zu Spielen um die erlangten Güter dann weiter zu verkaufen (das hat sie auch aufgeschnappt). Auf den Gedanken, dass es auch für Westeuropäer lukrativ sein könnte, eine virtuelle Existenz aufzubauen, kommt sie nicht. Warum nicht als Redakteur bei einer Gilde im Rollenspiel anheuern?

Es ist, als hätte die DDR die Internet-Blüte noch erlebt. Auf “westsucht.dd”* würde ein junger Mann berichten, dass seine 70jährige Mutter zu viel Westfernsehen gesehen habe, jetzt ihre eigenen Kinder nicht mehr erkennt und den ganzen Tag nach Ferrero Küsschen schreit. Und Frau Katrin Hummel schreibt für die Freiheit: das Dopamin ist schuld.

* “die Top-Level-Domain .dd wurde in der Nachwendezeit durch .de der Bundesrepublik Deutschland ersetzt” (Wikipedia.de)

h1

Zur Abwechslung etwas Nostalgie

27. Oktober 2009

Exzellente Minirocksammlung:

http://digilander.libero.it/guido_1953/pics/miniskirts/miniskirts-girls.htm

Beam me back to the 60ies, Spocky.