Dr. Guido Westerwelle, Polit-Zombie und potentieller Außenminister

Die US-Comedy Serie „Curb Your Enthusiasm“ gehört zu meinen liebsten Unterhaltungen, und obwohl ich nach vier Staffeln dieser Serie komplett gegen Peinlichkeiten abgehärtet sein sollte, schafft Larry David es immer wieder, die Peinlichkeiten so zu modifizieren, dass ich kaum noch hingucken kann. In diesem Moment vollzieht sich eine wahrhafte Übertragung, und das Gefühl der Peinlichkeit wird so intensiv, dass ich den emotionalen Mechanismus nicht mehr verstehe. Das ist wahrhafte Kunst in Schopenhauers Verständnis, und Larry Davids Gesichtsausdruck lässt dann auch passende kontemplativen Züge erkennen, während der Wille in mir seinem Unmut freien Lauf lässt. Allerdings ist es auch relativ einfach, Spannung, Angst, Ekel, Stolz oder eben Peinlichkeit anzuregen, jedenfalls einfacher als zum Beispiel das genussvolle Gefühl etwas Wahres zu begreifen ohne es intellektuell nachvollziehen zu können.

Von der Kunst jedenfalls lasse ich mich gerne zu allen möglichen Gefühlen verführen. Von der Politik dagegen möchte ich nur einen reduzierten und gedämpften Satz von Gefühlsregungen empfangen. Vor allem nicht das Gefühl intensiver Peinlichkeit. Ich fürchte jedoch, dass mir genau das blüht, wenn der Kronprinz der FDP zum Außenminister ernannt werden sollte. Und zwar täglich, beim Lesen der Zeitung, beim Blick ins Netz. Es wird grauenhaft, kann man nichts dagegen tun?

William S. Burroughs beschreibt ein paar anwendbare Techniken in „elecronic revolution“, vor allem das „Tape Scrambling“ (ist heute digital natürlich noch einfacher). Zitat: „Ein verstecktes Mikrophon auf der Toilette der VP [Versuchsperson = Westerwelle], das Scheißen und Furzen des Opfers wird aufgenommen und zusammengeschnitten mit den strengen Stimmen von Kindermädchen, die ihm befehlen zu scheißen – der junge Liberale wird mitten auf der Rednertribüne, direkt unter dem Sternenbanner [hier: Bundesadler], in die Hose scheißen.“

Interessant, dass Burroughs ausgerechnet von einem Liberalen spricht. Wobei der Ausdruck „liberal“ in den USA nicht das Gleiche bedeutet wie in Deutschland. Wenn John F. Kennedy sich einen Liberalen nannte, dann meinte er damit vor allem Toleranz verbunden mit sozialer Verantwortung, eben nicht niedrige Steuern und Händchenhalten mit übergeschnappten Managern. Deswegen ist ein Liberaler in den USA dem linkeren Spektrum zuzurechnen, während ich die FDP heute irgendwo zwischen dem braunen Rand und der Union eingliedern würde. Vor allem ist „liberal“ in Deutschland dank solcher Pappnasen wie Möllemann und Westerwelle gleichbedeutend mit „überflüssig“, und wer die FDP wählt der darf sich getrost als Spaßfraktionsstimmvieh bezeichnen.

Das Schlimmste ist: außer den unvermeidlichen Peinlichkeiten, die ein durch die Welt jettender Westerwelle ausrollen wird, könnte eine schwarz-gelbe Koalition auch handfeste Krisen herbeiführen. Nach langem Drücken der Oppositionsbank wird Westerwelle voller Tatendrang sein und unbedingt zeigen wollen, was in ihm steckt. Da er der einzige Politiker in der FDP ist, der Macht ausübt, wird er versuchen sich durch einen hemmungslos wirtschaftsfreundlichen Kurs einen Namen zu machen, und das ist momentan absolut nicht sinnvoll, denn die Wirtschaftskrise hat noch gar nicht richtig angefangen. Die nötigen neuen Wirtschafsspielregeln sind noch nicht verabschiedet und es sind sicherlich noch fünf bis zehn Jahre Wiederaufbau nötig, bevor an eine liberalere Wirtschaftsordnung überhaupt gedacht werden kann. Meine Hoffnung ist, dass die vernünftige Frau Dr. Merkel im Zweifelsfall lieber eine große Koalition weiterführt und ich meine, dass dies in Thüringen gerade angebahnt wird.

Zufällig weiß ich, dass mein Kumpel Würstl Banger an einem Song über die Liberalen in Deutschland arbeitet („The West Wave“), vielleicht kann ich den bald hier vorstellen. Bis dahin empfehle ich ein älteres aber gleichbleibend passendes, satirisches Lied auf YouTube:

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2 Gedanken zu „Dr. Guido Westerwelle, Polit-Zombie und potentieller Außenminister

  1. genova

    Interessant, dass man ausgerechnet beim klinisch reinen Westerwelle auf die Furz-Fantasien von Burroughs kommt. Sich Westerwelles Körpergeräusche, -gerüche und -flüssigkeiten vorzustellen, hat etwas absurdes und genau deshalb reizvolles. So wird der integre Sunny-Boy wenigstens mal menschlich.

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  2. hanneswurst Autor

    Wenn man das „Scheißen und Furzen“ einmal unter „Fäkalabsonderungsprozesse“ subsummiert, dann könnte das Tape-Scrambling auch mit Reden von Westerwelle funktionieren. Ich habe auch tatsächlich bemerkt, dass Guido-Reden bei mir einen Defäkationsreflex einleiten. „Wir protestieren, auf allen Vieren, wollen Guido-Reden statt Klistieren.“ Schatz, ich habe eine unangenehme Obstipation, bring mir doch bitte mal das FDP Wahlprogramm. Eins muss man loben, mit einem Guido in der Regierungskoalition würde es in der BRD nur so flutschen.

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