Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Lasst uns dem Staat relevant die Legitimation absprechen

Einmal mehr macht der Verfassungsschutz sich lächerlich. Um die sog. „Querdenker“ zu überwachen, wird extra ein angeblich neues Phänomen, eine für den Verfassungsschutz relevante Kategorie eingeführt: die „Verfassunsgsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“.

Erfunden wurde diese Kategorie, weil man die Querdenker nicht eindeutig genug dem rechten oder linken Spektrum zuordnen kann. Statt sich jedoch auf die Überwachung rechtsextremer Ränder der Querdenker zu konzentrieren, die zumindest bisher das Problem der „Bewegung“ darstellen, wird dieser neue Quatsch erfunden, der Linke erzürnt.

Grundsätzlich ist es Aufgabe des Verfassungsschutzes die demokratische Grundordnung des Staates zu schützen. Wer versucht, zum Beispiel die Legitimation von gewählten Repräsentanten des Volkes gewalttätig zu beschädigen, ist natürlich ein Fall für den Verfassungsschutz. „Gewalttätig“ oder „illegal“ steht dort jedoch nicht, sondern „verfassungsschutzrelevant“. Gemeint ist wahrscheinlich das Gleiche.

Und das genau ist die Dummerei an dieser neuen Kategorie: den Staat oder einer Regierung („not my president“) die Legitimation absprechen darf jeder, erst recht natürlich Künstler oder Satiriker. Man muss für diesen Protest allerdings legale Mittel einsetzen, ansonsten landet man in der Sphäre der Revolutionären – und Revolution klingt zwar gut, ist aber genau das, was der Verfassungsschutz zu verhindern versucht.

Die Pandemie als ästhetische Katastrophe

Menschen sehen nicht mehr aus wie Menschen sondern wie Karikaturen, die anonym durch den Supermarkt schlurfen. Demonstrationen sehen aus wie Karnevalsumzüge und erinnern – sofern die Corona-Maßnahmen beachtet werden – durch die gespreizte Aufstellung eher an ein Ballspiel als an eine wütende Menschenmenge. Kirchenbänke bleiben weitgehend leer und Gesangsverbot und Maskenpflicht degradieren die Betenden zu spärlich verstreuten Statisten.

Die Großstadt hat ihre Reize komplett verloren. Weder gibt es Menschenansammlungen noch lohnen irgendwelche Extravaganzen. Der Kulturbetrieb ist lahmgelegt, Museen öffnen wenn, dann nur in einer Art die spontanen Besuch unmöglich macht. Veranstaltungen aller Art, Konzerte, Festivals, Nachtclubs finden nicht statt und überhaupt eigentlich nichts Schönes, weil Schönes immer eine Menschentraube produzieren kann.

Wer einsam in der Natur lebt oder wenigstens in einem Dorf, kann sich glücklich schätzen, denn seine Lebenswelt verändert sich am wenigsten. Corona-Maßnahmen unterstützen naturgemäß das Antisoziale. Am wenigsten leidet der exzentrische Multimillionär, der sein Anwesen sowieso ungern verlässt.

Vielleicht ist das Jammern auf hohem Niveau. Sicherlich waren ästhetische Aspekte 1945 das kleinste Problem der Bevölkerung. Ästhetik ist außerdem nichts Naturgegebenes oder Konstantes. Die Corona-Maßnahmen stehen mit vielen Problemfeldern in Medizin, Bildung, Wirtschaft, Recht usw. im Zusammenhang. Aber ich lebe nicht nur zum Fressen und Arbeiten und beklage eine mir aufgezwungene unästhetische Lebensweise.

MOM – das Erfolgsrezept des 21. Jahrhunderts

Gehörte das 20. Jahrhundert noch den Mitläufern und Populisten, so zeichnet sich im 21. Jahrhundert ein neuer Gewinnertypus ab: MOM – der Mensch ohne Meinung. Der MOM hat viele Vorteile, unter anderem die, dass er nicht viel tun muss und sich selten Feinde macht. Besonders in sogenannten „Krisenzeiten“ wie 2020/21 ff. – in denen den Menschen vor Augen geführt wird dass sie sterblich sind – bewährt sich die absolute Meinungslosigkeit. Der Anfänger kann auch einfach so tun, als wenn er keine Meinung hätte.

Es wird von den Mitmenschen des MOM keineswegs als unangenehm empfunden, dass der MOM sich an einer Unterhaltung vor allem durch Zuhören und das gelegentliche Stellen von unverfänglichen Fragen beteiligt. Solche Leute gab es im 20. Jahrhundert nur wenige, und sie wurden als Langweiler und Looser abgetan. Dadurch gab es mehr Menschen die Musik machten als Menschen die Musik hören wollten, und ähnlich liefen die Gespräche ab: eine einzige Kakofonie.

Der perfekte MOM jedoch schafft es, sich durchaus und scheinbar konstruktiv an einer Unterhaltung zu beteiligen. Tatsächlich erweckt er paradoxerweise zeitweise den Eindruck, ein Meinungsführer zu sein. Er bedient sich dazu einiger Tricks.

  1. Rückgriff auf Anektdotisches: Auswahl und Inhalt eines Berichts können eine Meinung untermauern – sie können aber auch einfach neutral oder mehrdeutig angeboten werden oder im Idealfall so, dass jeder Zuhörer sich angenommen und bestätigt vorkommt.
  2. Ermitteln von Durchschnittsmeinungen: der MOM muss schnell erkennen können, wie seine Gesprächspartner ticken. Er ermittelt die Durchschnittsmeinungen seiner Gesprächspartner, die er wiederum mit der gesellschaftlich insgesamt vorherrschenden Meinung mittelt. Er erreicht so eine Positionierung seiner Meinung genau zwischen Gesellschaft und Gesprächspartnern. So wird seine (in Wirklichkeit nicht vorhandene) Meinung stets als vernünftige Position begriffen.
  3. Blitzschnelles Oszillieren: auch bei sorgfältig geplanter Meinungslosigkeit kann es vorkommen, dass der MOM versehentlich eine Emotion erregt oder eine Aussage macht, die mehrheitlich abgelehnt wird. Hier hilft dem MOM, dass er ja in Wahrheit gar keine Meinung hat: blitzschnell korrigiert er seine Aussage, und dies auch gerne mehrfach hintereinander, so dass die problematische Aussage entweder dadurch aufgehoben oder durch einen Brei von schwer interpretierbaren Aussagen vernebelt wird.
  4. Die Notbremse: funktioniert das blitzschnelle Oszillieren einmal nicht, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Schwächeanfall oder einen anderen Umstand vorzutäuschen, der die problematische Aussage relativiert. Manchmal reicht auch ein hektisches „so, jetzt muss ich mir mal die Beine vertreten, wer macht mit“ (bei Telefonkonferenzen) oder „Leute, ich brauch jetzt ein Bier“ (bei der Coronaparty).

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß beim Einstudieren dieses Erfolgsrezepts. Ich habe in der Corona-Pandemie selber Phasen der Wut, der Resignation, der Niedergeschlagenheit erlebt. Mit dieser Methode fällt es am leichtesten, all dies zu vermeiden. Es ist sowieso völlig egal, was Sie denken!

Außerirdische randalieren in Stuttgart

Letzten Samstag haben bis zu 500 Einwohner vom Planet Event Horizon in Stuttgart gewütet. Leider kann über diese Randale nicht so berichtet werden, als wenn die Deliquenten Menschen wären, man kann also insbesondere nicht:

  • Darüber berichten, ob es ein besonders gespanntes Verhältnis zwischen der Polizei in Stuttgart und den Außerirdischen gab.
  • Untersuchen, ob die Außerirdischen tatsächlich deshalb besonders erzürnt waren, weil man sie mit Polizeikontrollen im öffentlichen Bereich schikaniert.
  • Darüber nachdenken, woher die Gewaltbereitschaft der Außerirdischen kommt, ob dieses Verhalten ihnen zum Beispiel im Elternhaus (haben diese Außerirdischen überhaupt Eltern?) vorgelebt wurde oder ob sie zum Beispiel auf ihrem Heimatplaneten schon Gewalt ausgesetzt waren.
  • Diesen Ausbruch in irgendeine Verbindung dazu bringen, ob vielleicht gerade die Außerirdischen besonders unter den Folgen der Corona-Epidemie (und dabei speziell unter der Prävention) leiden.

Wie es ist, sind uns anständigen Erdenbürgern leider die Hände gebunden, wir können nur verurteilen, uns über die Randalevideos echauffieren und wir können aus ganzem Herzen sagen: das ist nicht unser Problem, das waren ja Außerirdische, da hilft keine Ursachenforschung und keine Gewaltprävention.

Helmpflicht für alle

Sicherheit ist, jedenfalls in andauernden Friedenszeiten, ein hohes Gut. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass ein neues Verkehrsmittel, der sogenannte Elektroroller oder „E-Scooter“, ein ängstliches, zuweilen sich in Panikschreie steigerndes Grollen durch die Medien schallen lässt. Rücksichtlose Rollerfahrer jeden Alters rasen ohne jeden Verstand mit 20 km/h über die Bürgersteine von Deutschlands schönen Metropolen und schon sind auch die ersten Unfallopfer zu beklagen. Meist sind es die Fahrer selber, die den Roller anhalten ohne ein Bein auf den Boden zu stellen und dann umkippen.

Es wurde bereits eine Helmpflicht für die Scooterfahrer vorgeschlagen. Damit würde jedoch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, da der behelmte Rollerfahrer dann einer Kanonenkugel gleich den ungeschützten Kopf des Fußgängers treffen wird. Die vernünftige Konsequenz kann nur sein, die Helmpflicht für alle Verkehrsteilnehmer einzuführen (im Auto und in Innenräumen kann der Helm jedoch abgenommen werden).

Die Vorteile sind enorm. Der Helm kann gleichzeitig als Handysprechanlage dienen und auch ein Display kann eingebaut werden. Durch den Helm wird die Ausbreitung gefährlicher Keime und das Risiko von Sonnenstich und Sonnenbrand eingedämmt. Auch andere Gefahren werden gemindert: zum Beispiel das Risiko, durch den Kadaver eines plötzlich in der Luft verstorbenen Vogels erschlagen zu werden. Der Helm wird außerdem dank seiner Gestaltungsmöglichkeiten zum Ausdruck der individuellen Freiheit und relativiert Vorbehalte gegen Kopftuch- oder BurkaträgerInnen.

Wie lange wird es noch dauern, verehrte Damen und Herren aus der Politik, bis daraus endlich eine sichere Verpflichtung für jeden Bürger gemacht wird?

Einige wertvolle Anregungen bezüglich der US-Amerikanischen Waffengesetzgebung

Meistens wird über Präsident Trump und seine Ideen nur gemeckert, aber ich möchte konstruktive Kritik üben. Nach dem erneuten Massaker in Parkland hat Trump bereits einige gute Ideen um die Sicherheitslage der jungen Menschen zu verbessern. Dem möchte ich einen Drei-Punkte Sicherheitsplan hinzufügen.

  1. Schulen abschaffen
    Die schlimmsten Massaker werden in Schulen verübt. Das liegt daran, dass Schulen die Orte grausamer Enttäuschungen und gleichzeitig exzellentes Menschenjagdrevier sind. Deswegen ist die wichtigste Maßnahme die ausnahmslose Abschaffung aller Schulen. Das bisschen Müll, das die Kinder heutzutage lernen müssen, kann ohne weiteres eine App vermitteln.
  2. Altersbegrenzung für den Kauf und den Besitz von Waffen abschaffen
    Liegt die Altersgrenze bei 16 Jahren, dann steht vielleicht ein bewaffneter 16-Jähriger einem unbewaffneten 15-Jährigen gegenüber. Und so weiter. Deswegen sollte es kein Mindestalter für den Kauf und den Besitz von Waffen geben.
  3. Nur noch schallgedämpfte Waffen zulassen
    Selbstverständlich ist es unangenehm, von einer Schusswaffe verletzt oder getötet zu werden. Dabei wird oft übersehen, dass die lauten Schussgeräusche auch für Personen unangenehm sind, die sich nicht in der direkten Schussbahn jedoch in der Nähe aufhalten. Mit einem Knalltrauma ist nicht zu spaßen, deswegen: Schalldämpferpflicht!

 

Ich habe eine Nationalistenphobie

Wenn ich in einer Kantine oder aus einem benachbarten Büro ein Gespräch über die aktuelle „Flüchtlingsproblematik“ höre, ergreift mich regelmäßig eine Abscheu. „Wir können die ja nicht abschieden, wo die herkommen, wollen die die auch nicht zurück. Darum haben wir die an den Hacken.“ Dies spiegelt nicht etwa das Niveau einer Person ohne Schulausbildung und moralische Orientierung wieder, sondern das von ganz normalen Angestellten mit mittlerem Bildungsniveau. Der Flüchtling, manchmal Asylant, wird als Kollektiv wahrgenommen, als Heuschrecke die in Deutschland einfällt und droht, uns die Haare vom Kopf zu fressen, uns zu beklauen, uns zu missbrauchen und anschließend noch eine Bombe zu legen. Nur folgerichtig, dass die populistischen Parteien in Deutschland daran erinnern, dass man diese Leute an der Grenze auch abknallen kann, wenn sie nicht Folge leisten wollen. Wenn man mit solchen Aussagen auf Stimmenfang gehen kann, dann wirft das ein erschreckendes Licht auf den Wähler.

Nun kann man einwenden, dass diese neue oder neuerdings gehäuft auftretende Form des Nationalismus nichts weiter ist als das begründete Bedürfnis des Einzelnen, seine Interessen zu wahren. Und bei den Interessen steht die Sicherheit weit vorne, weiterhin natürlich der Wohlstand und auch die Kultur. Mit Kultur meinen die Nationalisten natürlich alles, was nicht irgendwie fremd ist. Dass er selber diesen Anspruch hat und ihn aber einem Flüchtling nicht zugesteht, das macht den Nationalisten aus. Wie rechtfertigt der Nationalist diesen Anspruch?

Die nationalistische Einstellung beruht nicht auf moralischen Prinzipien oder einer moralischen Logik, sondern schlicht auf einem Prinzip der Überlegenheit. Individueller Besitzstand ist moralisch weitgehend akzeptiert, allerdings nicht alternativlos, wie schon Kollektivierungen wie Abgaben und Steuern oder die Möglichkeit einer Zwangsenteignung zeigen. Jedenfalls sind die meisten Menschen bereit ihr Auto, ihr Haus und ihr Grundstück vor dem Zugriff Dritter zu schützen und das ist rechtlich gedeckt. Fatalerweise übertragen viele Menschen diesen Besitzanspruch auf das Territorium der Nation, der sie angehören. Man könnte das auf „My car ist my castle, my nation is my car.“ reduzieren, wenn es nicht so traurig wäre.

Wo ist der nationalistische Denkfehler? Der Fehler ist, dass der Nationalist seine Nation mit seinem Besitz verwechselt. Egal, ob er Wohltäter oder Zeit seines Lebens von Unterstützung durch den Staat abhängig ist: der Nationalist pocht auf einen Besitzstand, der ihm moralisch und gesetzlich nicht zusteht. Sein Auto, sein Haus hat er sich vielleicht verdient oder geerbt (wobei ebenfalls das Prinzip des Eigentums durch Erbschaftssteuern gebrochen wird), aber das Territorium seiner Nation und alle öffentlichen Einrichtungen gehören ihm nicht einmal zum kleinsten Teil. Das sieht man schon daran, dass er seine Nationalität nicht veräußern oder einen Teil des staatlichen Besitzes einfordern könnte.

Dennoch spricht der Nationalist gerne von „seinem“ Land und „unserem“ Wohlstand. In Wahrheit jedoch hat auch der Nationalist nur genau die Ansprüche, die der Staat ihm per Gesetz gewährt, und diese Ansprüche gleichen mehr einem Leasingvertrag als einer Besitzurkunde.

Natürlich kann man auch ohne dieses Besitzdenken Nationalist sein und weiterhin ein hartes Vorgehen gegen Flüchtlinge fordern. Aber ich bin überzeugt davon, dass diejenigen, die aufhören die Nation der sie in den Schoss gefallen sind als Quell eines Besitzanspruches zu sehen, auch aufhören werden, eine derart degenerierte Einstellung gegenüber Menschen in Not oder Menschen in einer stark benachteiligten Situation zu pflegen, wie sie momentan immer häufiger zu beobachten ist.

CORRECTION: The GDR, the Fall and the People: A Documentary (I)

The original article (https://hanneswurst.wordpress.com/2012/11/16/the-gdr-the-fall-and-the-people-a-documentary-i/) unfortunatly contained some fake audio – misrepresenting Nadine Jansen. We therefore made the decision to come forward with a corrected outtake of this valuable video clip.