Causa Harald Range: Heiko Maas fällt dem Twitter-Mob zum Opfer

“…. Da sich ein Justizminister nun aber nicht nur als Hüter über die Unabhängigkeit der Justiz, sondern natürlich auch als Politiker zu begreifen pflegt, ist er der Versuchung ausgesetzt, andere Mittel einzusetzen, um die politisch erwünschte Entscheidung der Staatsanwaltschaft zu erreichen, wenn er diese für rechtlich vertretbar hält. So ermöglicht ihm seine Dienstaufsicht über die Staatsanwaltschaft auch, Druck im Einzelfall…..zu erzeugen…..Dies ist vor allem dann bedenklich, wenn auf eine staatsanwaltliche Entscheidung hingewirkt wird, die keiner richterlichen Überprüfung zugänglich gemacht werden kann ….”

(veröffentlicht in: Neue Justiz Heft 4, 2003, Seiten 169 ff.)

Zitiert nach: http://www.gewaltenteilung.de/tag/zuordnung-der-staatsanwaltschaft-zur-judikative

Der Justizminister ist jung genug, um die Mechanismen des Sturms aus Scheisse zu kennen. Dennoch tappt er in die Falle und versucht die für ihn viel zu große populäre Welle zu reiten statt schlau zu sein, den Mund zu halten und Judikative und Exekutive umso gründlicher untersuchen zu lassen. Ich fürchte, das geht für Heiko Maas noch schlechter aus als für Harald Range – der in der ganzen Sache am Wenigsten falsch gemacht hat. Justizminister, die – wie im Fall Gustl Mollath – erst aktiv werden, wenn der Mob schreit, können mir gestohlen bleiben.

Liebe voller Trauer

Hier die Filmmusik von Zdenek Liska im Original: https://www.youtube.com/watch?v=x8WdkZjxpBk#t=299 Etwas Beat musste ich aber noch hinzufügen.

Ein wunderbarer Film (http://www.imdb.com/title/tt0160801/), schon wegen dieses Films ist es schade, dass der Ostblock zusammengebrochen ist, denn die sowjetischen / tschechoslowakischen / bulgarischen / ostdeutschen Kooperationen boten eine aufrichtige Sentimentalität, wie sie nach 1990 nicht mehr erreicht werden konnte.

End of Commitment

Der englische Ausdruck “Commitment” ist schön und hat keine echte Entsprechung in der deutschen Sprache. Man könnte es mit “Eingehen einer Bindung” umschreiben. Aber warum sollte man “Commitment” nicht gleich als Lehnwort verwenden “ich fühle mich zu einer Sache commitet” oder “mein Commitment in XYZ” sagen. Denn Commitments werden immer seltener, und das Gegenteil, die Beliebigkeit, wird immer häufiger. Die Frage ist, ob man daher eine bessere oder schlechtere Zukunft prognostizieren kann.

Mir fällt das schwindende Commitment zum Beispiel beim Thema “Binge Watching” (Komaglotzen) und “Flatrate Musik” auf. In Zeiten knapperen Angebots wurde nach Musik geforscht, dann commitete man sich durch den Kauf eines Albums. Das wurde dann einhundert mal gehört bis es langweilig wurde. Oder man entschied sich, zu einer bestimmten Zeit eine Serie oder einen Film zu sehen, vielleicht auch in eine Kinokarte zu investieren. Heute werden Netflix, Watchever, Spotify oder Napster (…) angeworfen und irgendeine Playlist oder die vom System vorgegeben persönliche Empfehlung abgespielt. Natürlich verlor das freizeitliche Commitment schon mit dem Fernsehen an Bedeutung.

In partnerschaftliche Beziehungen wird immer weniger investiert, ein Commitment scheint nicht nötig im Zeitalter der Partnerbörsen. Menschliche Beziehungen sind einfach nicht mehr so unersetzlich wie früher, erstens sind mehr Menschen erreichbar und zweitens gibt es genügend Ersatzbefriedigungen. Arbeitsplätze: ein Commitment in Mitarbeiter ist nur noch ein Hemmschuh, besser nur noch Zeitarbeiter einsetzen, regelmäßig ganze Abteilungen oder Firmen unter dem Titel “Restrukturierung” oder “Sanierung” abschaffen.

Der moderne Mensch kauft keine Bücher oder CDs mehr, seine Möbel sind Wegwerfware, er commited sich nicht zu einem Ort, er nähert sich in seiner Seinsart dem Ideal des Informationsstroms. Körperteile werden modifiziert, ausgetauscht, ersetzt oder als unnötig abgeschafft. Gedanken gefasst und sogleich wieder verworfen.

Bleibt immer noch die Frage: was ist daran schlecht? Nähert der sich derart uncommitete Mensch dadurch dem buddhistischen Ziel des Nirvana? Ist der Übergang in die völlige Unverbindlichkeit nicht auch eine gelungene Überwindung eines ansonsten quälenden und ziellosen Daseins?

Als Konservativer meine ich natürlich, dass es nichts Schöneres geben kann, als sich zwanzig Jahre seines Lebens an einem wunderschönen Holzspielzeug abzuarbeiten, auch wenn man das gleiche Stück für 5 Euro bei Amazon bestellen kann. Commitment ist eine Frage des Willens, der Disziplin, der Vision. Aber Sinn macht ein Commitment gleich welcher Art per se nicht, denn es gibt keinen Sinn außer dem Sinn der durch Sinn entsteht (was ich demnächst in einer Fortsetzung meines preisgekrönten Essays “Der Sinn des Universums” nachweisen werde). Da fällt mir durch einen Vertipper auf, wie nah das Universum am Unversum ist. Auch das wird untersucht.

Politiker fordern: Sanktionen auf russische Produkte ausweiten

Provokation: Russisches Brot

Provokation: Russisch Brot

Bielefeld – Mehrere Politiker fordern, die Sanktionen gegen Russland auf Nahrungsmittel auszuweiten. Außer russischem Brot würde dies verschiedene Alkoholika, russische Eier und den beliebten Borschtsch treffen. Es reiche nicht, russische Literatur zu verbieten und den Staat vom Eurovision Song Contest auszuschließen, vielmehr wäre es jetzt an der Zeit, die Existenz Russlands innerhalb der NATO komplett zu verleugnen. “Putin erzählt Lügengeschichten, spielt sich als Cowboy auf und steckt alten Leuten Dreck in die Schuhe” ist der entrüstetet Tenor. Moskau solle endlich seinen Einfluss in der Region geltend machen und auch den Rest der Ukraine befreien.