Deutschland forciert das Scheitern der EU

Wer (wie ich) immer schön tagesschau.de liest und noch ein paar Blogs folgt, der wird sehr wahrscheinlich den folgenden Eindruck haben:

  • Deutschland ist das größte und momentan wirtschaftlich stärkste Land in der EU
  • Deutschland ist gleichzeitig sehr um die EU Partner bemüht, wünscht sich Großbritannien darin, ist hart aber fair zu Griechenland
  • Auch moralisch hält Deutschland einen der vorderen Plätze in der EU, wenn nicht weltweit: Mutti ist lieb zu Flüchtlingen
  • Deutschland gibt der EU viel und bekommt wenig, ist quasi das Bayern Europas

Was liegt da näher, als enttäuscht aus dieser Vereinigung von Loosern und Bösewichten auszusteigen? Noch wird nicht groß darüber diskutiert, aber spätestens wenn sich Großbritannien davon macht, ist die Grundlage für eine statthafte Diskussion über einen Austritt aus (warum nicht gleich Auflösung von) der EU für Deutschland gegeben.

Denn hier ist, was Deutschland in Wirklichkeit unternimmt, seit Mutti Kanzlerin ist:

  • Eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik existiert nicht – auch, weil Deutschland sich moralisch auf das hohe Ross setzt (Libyen).
  • Im Umgang mit Flüchtlingen geht (oder ging) Deutschland ebenfalls einen Sonderweg und ließ andere EU Staaten – unabhängig vielleicht von deren Möglichkeiten – schlecht dastehen
  • Deutschland nutzt zum Beispiel im Fall Griechenland wirtschaftliche Stärke als Machtinstrument
  • Deutschland ist stärker denn je mit nicht-EU Partner verbandelt, auch mit solchen, die Schurkenstaaten genannt werden müssen (Saudi Arabien, USA, Türkei)

Nicht alle Punkte kritisiere ich, die ersten beiden genannten Sonderwege habe ich befürwortet. Aber alle Punkte zeigen, dass Deutschland keinesfalls der Musterschüler in der EU ist, sondern vielmehr ihr Saboteur – und das hat ganz sicher politisches Programm.

Hausmänner-KI im Selbsttest

Seit einiger Zeit lege ich meine Fotos auf https://photos.google.com ab. Kostet nichts, beliebig viel Speicherplatz, geringfügige Kompression (die mir nicht auffällt). Die Originale habe ich noch auf dem Rechner, aber meine Fotos gucke ich eigentlich nur noch auf Google Photos an.

Das liegt auch an dieser tollen KI. Eigentlich ist „KI“ reichlich gestelzt für eine Software, die sich nur durch Pixel filtert. Immerhin verbinden wir mit Intelligenz etwas Höheres, aber es geht ja nur um schwache KI, und dieser Klasse werden noch weitaus primitivere Werkzeuge zugerechnet (Hofstatter nennt eine Klospülung als Beispiel – auch hier gibt es ein intelligentes Feedback wenn der Spülkasten wieder voll ist).

Das tolle an der Google Photos KI ist, dass ich meine Fotos nach Personen klassifizieren kann. Wenn ich einmal eingegeben habe, wie eine Person heißt, ordnet Google diesen Namen allen Fotos zu, auf denen die Person vertreten ist. Das funktioniert ziemlich zuverlässig. Man kann aber auch einfach einen Begriff eingeben, viele Objekte erkennt Google daraufhin.

Beispiel: Suche nach „katze“. Hier die ersten Treffer:

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Das erste hat Google verwechselt, es ist ein ausgestopfter Marder (zu besichtigen im formidablen Lokal des Märchenwald Altenberg). Erstaunlich ist, dass Google auch eine Katze erkennt, die ohne Kopf abgebildet ist:

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Der Algorithmus scheint den Körper und das Haarige daran zu erkennen. Auch mit abstrakten Abbildungen hat die KI keine Probleme:

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OK, das sollte zwar eigentlich ein Osterhase sein, aber Google erkennt richtig, dass es wohl eher eine Katze ist. Durch eine Tarnung der Katze lässt sich Google nicht täuschen:

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Das folgende Bild erkennt Google ebenfalls als Katze, es handelt sich jedoch um einen ramponierten Bären aus dem Leipziger Zoo:

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Man sieht, das Programm ist noch nicht perfekt. Andererseits gibt es so viele seltsame Katzen, dass auch ein Mensch kaum alle als solche identifizieren kann. Ein Hoch auf die schöne neue Welt der künstlichen Intelligenz.

Nahles und Altmaier in Wahrheit eine Person?

NahlesAltmaier

Die Gerüchte existieren seit langem, aber inzwischen gibt es anscheinend auch handfeste Belege dafür, dass Andrea Nahles und Peter Altmaier in Wahrheit ein und die selbe Person sind. Es ist absolut erstaunlich, dass ein Doppelgänger es bis in zwei Bundesministerämter schafft, ohne dabei über Jahre Misstrauen zu erwecken. Dabei sind die Indizien erschlagend:

  • Im Aussehen ist nur durch die „Nahles Perücke“ ein Unterschied auszumachen
  • Beide sind vollständig androgyn
  • Beide sind katholisch
  • etc. etc.

Wer bis hierher gelesen hat, fragt sich jetzt vielleicht, warum eigentlich. Ich kann diese Frage nicht beantworten aber ich weiß, warum ich diesen Artikel schreibe. Erstens hat es mit einer besonderen Zuneigung zu beiden, insbesondere jedoch zu Peter Altmaier zu tun, den ich mir einmal als Bundeskanzler wünsche, was aber wohl nicht eintreffen wird, weil er vielen Wählern zu knilchig ist und weil außerdem dann herauskommt, dass er Andrea Nahles ist. Zweitens gibt es bei Aldi aktuell einen ziemlich guten Brunello für 13,99€ und einen recht guten Medoc für 7,99€. Guten Abend.

Ich habe eine Nationalistenphobie

Wenn ich in einer Kantine oder aus einem benachbarten Büro ein Gespräch über die aktuelle „Flüchtlingsproblematik“ höre, ergreift mich regelmäßig eine Abscheu. „Wir können die ja nicht abschieden, wo die herkommen, wollen die die auch nicht zurück. Darum haben wir die an den Hacken.“ Dies spiegelt nicht etwa das Niveau einer Person ohne Schulausbildung und moralische Orientierung wieder, sondern das von ganz normalen Angestellten mit mittlerem Bildungsniveau. Der Flüchtling, manchmal Asylant, wird als Kollektiv wahrgenommen, als Heuschrecke die in Deutschland einfällt und droht, uns die Haare vom Kopf zu fressen, uns zu beklauen, uns zu missbrauchen und anschließend noch eine Bombe zu legen. Nur folgerichtig, dass die populistischen Parteien in Deutschland daran erinnern, dass man diese Leute an der Grenze auch abknallen kann, wenn sie nicht Folge leisten wollen. Wenn man mit solchen Aussagen auf Stimmenfang gehen kann, dann wirft das ein erschreckendes Licht auf den Wähler.

Nun kann man einwenden, dass diese neue oder neuerdings gehäuft auftretende Form des Nationalismus nichts weiter ist als das begründete Bedürfnis des Einzelnen, seine Interessen zu wahren. Und bei den Interessen steht die Sicherheit weit vorne, weiterhin natürlich der Wohlstand und auch die Kultur. Mit Kultur meinen die Nationalisten natürlich alles, was nicht irgendwie fremd ist. Dass er selber diesen Anspruch hat und ihn aber einem Flüchtling nicht zugesteht, das macht den Nationalisten aus. Wie rechtfertigt der Nationalist diesen Anspruch?

Die nationalistische Einstellung beruht nicht auf moralischen Prinzipien oder einer moralischen Logik, sondern schlicht auf einem Prinzip der Überlegenheit. Individueller Besitzstand ist moralisch weitgehend akzeptiert, allerdings nicht alternativlos, wie schon Kollektivierungen wie Abgaben und Steuern oder die Möglichkeit einer Zwangsenteignung zeigen. Jedenfalls sind die meisten Menschen bereit ihr Auto, ihr Haus und ihr Grundstück vor dem Zugriff Dritter zu schützen und das ist rechtlich gedeckt. Fatalerweise übertragen viele Menschen diesen Besitzanspruch auf das Territorium der Nation, der sie angehören. Man könnte das auf „My car ist my castle, my nation is my car.“ reduzieren, wenn es nicht so traurig wäre.

Wo ist der nationalistische Denkfehler? Der Fehler ist, dass der Nationalist seine Nation mit seinem Besitz verwechselt. Egal, ob er Wohltäter oder Zeit seines Lebens von Unterstützung durch den Staat abhängig ist: der Nationalist pocht auf einen Besitzstand, der ihm moralisch und gesetzlich nicht zusteht. Sein Auto, sein Haus hat er sich vielleicht verdient oder geerbt (wobei ebenfalls das Prinzip des Eigentums durch Erbschaftssteuern gebrochen wird), aber das Territorium seiner Nation und alle öffentlichen Einrichtungen gehören ihm nicht einmal zum kleinsten Teil. Das sieht man schon daran, dass er seine Nationalität nicht veräußern oder einen Teil des staatlichen Besitzes einfordern könnte.

Dennoch spricht der Nationalist gerne von „seinem“ Land und „unserem“ Wohlstand. In Wahrheit jedoch hat auch der Nationalist nur genau die Ansprüche, die der Staat ihm per Gesetz gewährt, und diese Ansprüche gleichen mehr einem Leasingvertrag als einer Besitzurkunde.

Natürlich kann man auch ohne dieses Besitzdenken Nationalist sein und weiterhin ein hartes Vorgehen gegen Flüchtlinge fordern. Aber ich bin überzeugt davon, dass diejenigen, die aufhören die Nation der sie in den Schoss gefallen sind als Quell eines Besitzanspruches zu sehen, auch aufhören werden, eine derart degenerierte Einstellung gegenüber Menschen in Not oder Menschen in einer stark benachteiligten Situation zu pflegen, wie sie momentan immer häufiger zu beobachten ist.

Bowie tot, ganzen Tag geweint

David Bowie war der erste Musiker, den ich richtig entdeckt habe. 1982 empfahl mir ein Freund „Hunky Dory“, und jedes einzelne Stück war eine Offenbarung. Besonders natürlich „Life on Mars“, das so ein richtiger Teeny Song ist, den ich mit meinen begrenzten Fingerfertigkeiten auch auf dem Klavier spielen konnte. Die LP war damals schon 11 Jahre alt und Bowie war in der Zwischenzeit fleißig gewesen, so dass ich nun alles entdecken konnte, was Bowie bis 1982 („Scary Monsters“) zu Wege gebracht hat. Darunter war nicht eine Enttäuschung, auch die komischen Vor-Space Oddity Hippie Songs haben mir gefallen. Völlig in den Bann gezogen haben mich außer „Hunky Dory“ jedoch „Ziggy Stardust“, „Low“ und „Heroes“.

In der Zeit habe ich auch eine kurze Bowie Biografie von Heinz Rudolf Kunze gelesen. Für ihn war die musikalische Karriere Bowies mit „Let’s Dance“ beendet. Ich glaube, er hätte es besser gefunden, wenn Bowie nach „Heroes“ an einer Überdosis gestorben wäre. Ich fand es damals anmaßend, aber ich meine, Kunze hat Recht behalten. Ich finde, „Let’s Dance“ ist ein Klassiker (der Titelsong ist auch heute noch die beste Eröffnung für jeden Tanztee) und auch die Alben die folgten waren meist hörenswert. Aber sie waren nicht mehr essentiell, jedenfalls nicht für mich. Die gerade veröffentlichte „Darkstar“ könnte eine Ausnahme sein, aber ich habe sie noch nicht oft genug gehört, das Album macht mich so traurig wie der Teddy in einem leeren Kinderzimmer.

Die Tode vieler Musiker sind mir sehr nahe gegangen. Frank Zappa, Captain Beefheart, Lou Reed um nur einige zu nennen. Als ich heute von David Bowie’s Tod hörte, war ich zunächst ähnlich traurig wie zum Beispiel nach dem Tod von Philip Seymour Hoffman, meinem Lieblingsschauspieler.  Im Laufe des Tages merkte ich jedoch, dass die Trauer um Bowie stärker wird, sie ist intensiver und sicherlich länger anhaltender. Das liegt vielleicht daran, dass Bowie über lange Zeit ein Begleiter war. Auch wenn die Alben mich nicht mehr faszinierten, seine Wirkung auf die Popkultur und seine oft unerwarteten Auftritte taten es schon. Zuletzt in Ricky Gervais „Extras“, die beste Folge der zweiten Staffel lebt von einem grandiosen Bowie Auftritt. Er verschwand also nach 1982 nie.

Ein Teil der Trauer um Stars, zumal um Stars die man seit der Jugend bewundert, ist sicherlich das Bewusstsein davon, dass mit diesem Star auch ein Stück der eigenen Biographie verstarb und dass der eigene Tod auch näher rückt . Die Einschläge kommen näher, und ich bin in dem Alter, in dem mit dem Tod von Eltern, Tanten und Onkeln gerechnet werden muss. Danach bin ich in der Generation die als nächstes mit dem Sterben dran ist.

Bei Bowie stammt für mich die Traurigkeit außerdem daher, dass ich ihn niemals kennen lernen werde, niemals seine fantastische tiefe Stimme im persönlichen Gespräch hören werde. Nicht, dass ich ernsthaft geglaubt hätte, dass es jemals dazu kommen würde – auch wenn er noch 100 Jahre gelebt hätte. Aber jetzt besteht nicht einmal mehr die theoretische Chance. Bei keinem Menschen habe ich mich hemmungsloser in eine persönliche Nähe hereinfantasiert wie bei Bowie. Er war wohl unglaublich sympathisch.