Corona-Resignation

In der vor allem für Nerds unterhaltsamen Trisolaris-Trilogie von Cixin Liu (Netflix hat sich übrigens die Rechte für eine Serie gesichert) bereiten Außerirdische die Invasion der Erde vor, indem sie Menschen in Schlüsselpositionen dazu bringen, ihre Ankunft vorzubereiten.

Die Corona-Pandemie zeigt, wie eine Invasion noch effizienter eingeleitet werden kann, und zwar durch Angst, Skrupel und Resignation

Angst vor Krankheit und Tod sowie dem Verlust von nahe stehenden Menschen ist eine normale Reaktion. Das Virus ist durch seine Unberechenbarkeit besonders gut geeignet, um Angst zu erzeugen.

Skrupel entstehen, wenn uns beigebracht wird, dass unsere Handlungen andere Menschen gefährden können. Jedes Husten, jeder Besuch kann ein Todesurteil für Dritte sein. Skrupel erzeugt Bereitschaft zu Konformität und Risikovermeidung.

Resignation entsteht, wenn autonome Entscheidungen gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert werden und die Situation sich auch durch Passivität nicht bessert.

Ich unterstelle den Regierungen der verschiedensten Staaten – die ja mehrheitlich ähnlich auf die Pandemie reagieren – nicht, tatsächlich eine Invasion irgendeiner Art vorzubereiten. In der Tat sehe ich keine ernsthaften Anhaltspunkte für einen wie auch immer gearteten Feind, der die Pandemie oder ihre Reaktion darauf treibt.

Sollte es solche Feinde dennoch geben, dann hätten sie leichtes Spiel mit uns. Eine ängstliche, skrupulöse und resignative Bevölkerung ist ein schwacher Gegner. Allen Mutes und aller Eigeninitiative beraubt werden wir uns bereitwillig Allem und Jedem ergeben. Wenn der Kampf gegen das Virus wirklich mit einem Krieg vergleichbar ist, haben wir praktisch schon kapituliert.

Wie könnte man es besser machen?

  • Meinungsvielfalt zulassen: Ein Grundproblem in der Pandemie ist, dass immer versucht wurde, eine Meinungshoheit in Regierung und Medien vorzutäuschen. Abweichende Meinungen wurden regelmäßig diskreditiert. Schon an der Ineffektivität einzelner Maßnahmen zeigt sich, dass diese Meinungshoheit schädlich ist. Würde ein weiteres Meinungsspektrum zugelassen, könnten – wie in der Demokratie üblich – bessere Handlungsoptionen gefunden werden.
  • Zwänge minimieren: Der mündige und aufgeklärte Bürger kann selber entscheiden, wie es sich und andere vor einer Pandemie schützt. Das Argument, dass er dadurch andere gefährdet, vor allem durch Infektion von gefährdeten Personen oder durch Belegung von Krankenhausbetten, ist ein Pandemie-Konstrukt: jeder Mensch stellt immer direkt oder indirekt eine Gefahr für andere Menschen dar. Jugendliche, die feiern gehen, stellen keine Gefahr dar, wenn sie weitgehend unter sich bleiben. Welchen Gefahren ein Kind im elterlichen Haushalt sich oder der Familie aussetzen darf, muss in der Familie entschieden werden, nicht in der Regierung. Der Staat kann Empfehlungen aussprechen und hat immer noch Stellschrauben wie die Schließung von Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen.

Allein diese Maßnahmen würden die Ängste auf ein sinnvolles Maß reduzieren und Skrupel und Resignation minimieren. Man kann einwenden, dass sich niemand vermehrt angstfreie und skrupellose Mitbürger wünscht, die dann voller Energie die Volksgesundheit ruinieren. Ich erinnere mich jedoch an eine Zeit, ungefähr bis Januar 2020, in der Menschen ganz ohne Zwang auf ihre Gesundheit geachtet haben. Da wurden Ernährungsformen ausprobiert, der Rücken fit gemacht, ein Volkslauf organisiert.

Es scheint fast vergessen, dass wir auch eigenverantwortlich bestrebt sind, gesund zu bleiben und nur die Risiken einzugehen, die sich lohnen. Wir brauchen die Gesundheitsfürsorge nur auf das Maß von Januar 2020 zurückzurollen, um die Corona-Resignation zu beenden.

4 Gedanken zu „Corona-Resignation

  1. motherhead

    Jugendliche, die feiern gehen, erhöhen grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich Viren in der Bevölkerung verbreiten. Wesen eines Virus ist es, sich von Lebewesen auf andere zu übertragen, und zwar mit exponentieller Geschwindigkeit.

    Allerdings ist gerade dies wünschenswert. Wie das Beispiel Schweden zeigt, ist es letztlich egal, ob man einen Lockdown durchführt oder nicht; mit konsequentem Maskentragen wäre die Todesrate in Schweden nicht höher als in der Bundesrepublik. Trotz weitgehendem Verzicht auf die Maske ist sie niedriger als in Frankreich, Italien oder Spanien.

    Die Maske führt nur dazu, dass sich Virusmutationen bildet, denen dann möglicherweise mit den derzeit vorhandenen Impfstoffen nicht beizukommen ist.

    Die schnellste und effektivste Methode, Corona und seine mittlerweile zahlreichen Mutationen zu besiegen, ist der Verzicht auf sämtliches Impfen. Und natürlich ist dieses auch gewaltiges Geschäft für die Pharmaindustrie. Der gesunde menschliche Körper muss und kann sich selbst helfen. Der zu alte/schwache Körper wird diesen Kampf verlieren.

    Das Virus ist da und wird für immer bleiben. Es wird Menschen töten, vornehmlich Alte und/oder Kranke. Diese Tatsache können wir in unserer auf höchstmögliche Absicherung bedachten westlichen Welt nicht ertragen. In Persien und Arabien ist das Coronavirus kein großes Thema; dort haben die Menschen ganz andere Sorgen.

    Bundestagspräsident Wolfang Schäuble hat zu Neujahr darauf hingewiesen, dass die Lockdown-Politik indirekt (oder muss man nicht sagen: direkt?) für ein Ansteigen der Hungersnot auf dem afrikanischen Kontinent verantwortlich ist; Lieferketten werden unterbrochen, Waren kommen nicht an. Darüber redet im selbstverliebten Europa kein Mensch.

    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-schaeuble-leben-schuetzen-100.html

    Sämtliche Maßnahmen müssen eingestellt werden. Die Alternative: ein beständiger Wechsel zwischen Lockdowns, Semi-Lockdowns und der Gewährung vermeintlicher Freiheiten mit katastrophalen Folgen für die wirtschaftliche, politische und psychosoziale Entwicklung der Gesellschaften.

    Antwort
  2. hANNES wURST Autor

    Wenn jemand sich schützen möchte – Maske, Nähe meiden, Impfen – dann wäre das doch auch respektabel, oder? Ich meine, dass Eigenverantwortung wieder groß geschrieben werden muss. Das bedeutet aber auch, dass Menschen mit einem besonderen Schutzbedürfnis unterstützt werden sollten.

    Antwort
  3. flo

    Eigenverantwortung weil jede/r ein Bauchgefühl hat, das es mit Risikofolgenabschätzung des Gemeinwohls aufnehmen kann? Kann der/die Einzelne das ganze Ausmaß abschätzen? Ich finde es gut, dass der Staat mal Verantwortung übernimmt, nachdem er in den letzten 20 Jahren so viel wie möglich auf den/die Bürger/in abgeschoben hat, quasi mehr Eigenverantwortung, aber eben vornehmlich dort, wo vorher die Fürsorgepflicht des Staates gefragt war. Deregulierung könnte man meinen, im neoliberalen Sinn. Selbststeuerung funktioniert mehr schlecht als recht im kleinen, aber schon gar nicht wenn es ums System geht. Und darum finde ich es grob fahrlässig, diese Argumentation ala Eigenverantwortung für mündige Bürger*innen aufzumachen. Unser politisches System ist eine Stellvertreter*innendemokratie und Deutschland ist nicht die Schweiz. Sollte man das ändern wollen, müsste man wohl die neuen Nazis, die sich einen blauen Anstrich geben, wählen. Man darf sich nur hinterher nicht wundern, wenn das ganze Land ungebremst gegen die Wand fährt und den Bach runtergeht.
    Meine Corona-Resignation entsteht durch genau solche Baugefühlkommentare…

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  4. hANNES wURST Autor

    Ich stimme mit Ihnen darin überein, dass Deregulierung sozial schädlich und auch gefährlich sein kann. Eine Stadt, die ihr Kanalsystem verkauft und es dann zurückleast handelt aus Dummheit oder Not, nicht aus ökonomischer oder ökologischer Überlegung. Es gibt eben Bereiche, in denen individuelle (oder unternehmerische) Freiheiten hinter gemeinschaftliche Interessen zurücktreten müssen, das betrifft insbesondere Bereiche wie die Sozialfürsorge, das Gesundheitssystem und die Energieversorgung.

    Wie die meisten Dinge, die gut sind, ist auch die staatliche Kontrolle nur bis zu einem bestimmten Grad gut, und bis wohin staatliche Kontrolle gehen darf und wo individuelle Freiheit anfangen sollte ist die Gretchenfrage. Darüber, dass einem lebensgefährlich verletzten Menschen geholfen werden muss, herrscht weitgehend Konsens. Darüber, dass ein Mensch per Gesetz davon abgehalten werden muss sich mit Alkohol, Zigaretten und dem Verzehr von rotem Fleisch langfristig selber zu gefährden wiederum nicht.

    Gerne wird an dieser Stelle überlegt, welche Gefährdung ein Mensch „nur“ sich selber antut (was dann angeblich eher für „Eigen“verantwortung spricht) und womit er auch andere gefährdet. Ich halte dies für ein Scheinargument, denn niemand ist eine Insel. Der Familienvater, der sich tot säuft, richtet wahrscheinlich mehr Schaden für seine Familie an als ein Verbrecher, der die gleiche Familie bedroht. Jeder, der am Steuer eines Autos sitzt, ist eine potentiell tödliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer.

    Kommen wir nun zu unseren scheinbar stark differierenden Meinungen über die staatliche Verantwortung bei Infektionskrankheiten. Ich hatte schon erwähnt, dass die Gesundheit der Bürger natürlich ein wichtiger Bereich des staatlichen Sektors ist. Ich selber erwarte, dass der Staat angemessene Mittel dazu aufwendet, um medizinisches Personal und medizinische Infrastruktur zu finanzieren. Tatsächlich sind zunehmende Aspekte der Wirtschaftlichkeit dabei ein Problem. Außerdem erwarte ich eine möglichst genaue Aufklärung darüber, was meine Familie und ich tun können, um gesund zu bleiben.

    Bezogen auf Corona muss der Staat natürlich alles in seiner Macht Stehende tun, um eine optimale Gesundheitsfürsorge zu treffen. Dazu gehören vor allem Aufklärung, Masken- und Impfangebote, Empfehlungen für Industrie und Handel, verschiedenste Förderprogramme. Vieles davon wurde meiner Meinung nach auch ganz anständig gemacht, aber leider auch einige große Fehler.

    Fehler Nr. 1 war, den Menschen nicht beizubringen, dass sie selber für den Schutz vor Infektionen verantwortlich sind, nicht ihre Mitmenschen. Wer in ein Restaurant oder ein Geschäft geht muss sich des Risikos bewusst sein und selber entscheiden, ob und wie er das Risiko eingeht. Statt dessen Restaurant und Geschäft zu schließen ist ungefähr so klug, wie den Bürgern einzureden, dass sie ruhig über die Strasse gehen können weil die Autofahrer schon aufpassen und dann den Straßenverkehr lahmzulegen weil zu viele Unfälle passieren.

    Die Beschränkungen des Rechts auf Berufsausübung, des Rechts auf Bildung und insgesamt der Selbstbestimmung in dieser Pandemie sind eine absolute Katastrophe und könnten die Blaupause für eine Gesellschaft sein, in der jeder behandelt wird wie ein Kind, und sich auch benehmen wird, wie ein Kind.

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