End of Commitment

Der englische Ausdruck „Commitment“ ist schön und hat keine echte Entsprechung in der deutschen Sprache. Man könnte es mit „Eingehen einer Bindung“ umschreiben. Aber warum sollte man „Commitment“ nicht gleich als Lehnwort verwenden „ich fühle mich zu einer Sache commitet“ oder „mein Commitment in XYZ“ sagen. Denn Commitments werden immer seltener, und das Gegenteil, die Beliebigkeit, wird immer häufiger. Die Frage ist, ob man daher eine bessere oder schlechtere Zukunft prognostizieren kann.

Mir fällt das schwindende Commitment zum Beispiel beim Thema „Binge Watching“ (Komaglotzen) und „Flatrate Musik“ auf. In Zeiten knapperen Angebots wurde nach Musik geforscht, dann commitete man sich durch den Kauf eines Albums. Das wurde dann einhundert mal gehört bis es langweilig wurde. Oder man entschied sich, zu einer bestimmten Zeit eine Serie oder einen Film zu sehen, vielleicht auch in eine Kinokarte zu investieren. Heute werden Netflix, Watchever, Spotify oder Napster (…) angeworfen und irgendeine Playlist oder die vom System vorgegeben persönliche Empfehlung abgespielt. Natürlich verlor das freizeitliche Commitment schon mit dem Fernsehen an Bedeutung.

In partnerschaftliche Beziehungen wird immer weniger investiert, ein Commitment scheint nicht nötig im Zeitalter der Partnerbörsen. Menschliche Beziehungen sind einfach nicht mehr so unersetzlich wie früher, erstens sind mehr Menschen erreichbar und zweitens gibt es genügend Ersatzbefriedigungen. Arbeitsplätze: ein Commitment in Mitarbeiter ist nur noch ein Hemmschuh, besser nur noch Zeitarbeiter einsetzen, regelmäßig ganze Abteilungen oder Firmen unter dem Titel „Restrukturierung“ oder „Sanierung“ abschaffen.

Der moderne Mensch kauft keine Bücher oder CDs mehr, seine Möbel sind Wegwerfware, er commited sich nicht zu einem Ort, er nähert sich in seiner Seinsart dem Ideal des Informationsstroms. Körperteile werden modifiziert, ausgetauscht, ersetzt oder als unnötig abgeschafft. Gedanken gefasst und sogleich wieder verworfen.

Bleibt immer noch die Frage: was ist daran schlecht? Nähert der sich derart uncommitete Mensch dadurch dem buddhistischen Ziel des Nirvana? Ist der Übergang in die völlige Unverbindlichkeit nicht auch eine gelungene Überwindung eines ansonsten quälenden und ziellosen Daseins?

Als Konservativer meine ich natürlich, dass es nichts Schöneres geben kann, als sich zwanzig Jahre seines Lebens an einem wunderschönen Holzspielzeug abzuarbeiten, auch wenn man das gleiche Stück für 5 Euro bei Amazon bestellen kann. Commitment ist eine Frage des Willens, der Disziplin, der Vision. Aber Sinn macht ein Commitment gleich welcher Art per se nicht, denn es gibt keinen Sinn außer dem Sinn der durch Sinn entsteht (was ich demnächst in einer Fortsetzung meines preisgekrönten Essays „Der Sinn des Universums“ nachweisen werde). Da fällt mir durch einen Vertipper auf, wie nah das Universum am Unversum ist. Auch das wird untersucht.

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