Der falsche Präzendenzfall

Verkehrte Welt: unbescholtene Bürger, die nichts lieber wollen, als in maximaler Anonymität ihr beschauliches Leben zu führen, werden von der NSA bespitzelt und es kräht kein Hahn danach. Dann kommt heraus, was sowieso klar war, nämlich dass die USA wie alle anderen Staaten auch versuchen möglichst viel über die Interessenlage anderer Staaten herauszubekommen, sozusagen proaktive Diplomatie, und plötzlich ist die deutsche Regierung aus dem Häuschen. Das ist beschämend und zeigt einmal mehr, dass politische System wenigstens alle 50 Jahre durch eine Revolution oder einen Krieg aufgeweicht werden müssen, denn im politischen Deutschland haben offensichtlich Ross und Reiter die Plätze getauscht.

In Politik und Industrie muss derjenige, der etwas zu verheimlichen hat, auch in Sachen Kryptographie dem Konkurrenten voraus sein, ansonsten büßt er jeden intellektuellen Vorsprung bald ein. Dass dabei zusätzlich die Privatheit eines hohen Beamten oder eines Konzernvorstand gefährdet ist, dürfte auf der Hand liegen. Wer ungestört ein Schwätzchen führen möchte, der sollte eben nicht Bundeskanzlerin werden. Jede Form der Entrüstung in Richtung USA ist jetzt kontraproduktiv, stattdessen sollte man die USA für diese gekonnte Spionage beglückwünschen, und dafür einen Virus in die Vorratsdatenspeicher der Amerikaner einschleusen und private Kommunikation maximal absichern, um nämlich dem wahren Orwellschen Szenario vorzubauen.

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2 Gedanken zu „Der falsche Präzendenzfall

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