SPON stellt fest, dass nicht alle Rebellen lieb sind

Während der NATO-Invasion Libyens habe ich mich besonders über Spiegel Online geärgert, weil die Berichterstattung die Aufstände und die Invasion so eindeutig lobhudelte. Einziger Lichtblick war ein von Alwin Schröder verfasster Artikel, der allerdings aus Agenturmeldungen zusammengesetzt war (siehe Propagandadienst SPON knickt in Libyenfrage ein). Damals dachte ich, dieser Artikel läutet eine Versachlichung der Berichterstattung über den Libyenkrieg auf SPON ein, das war aber nicht so. Nach dem Tod Gaddafis musste SPON jedoch auch darüber berichten, dass das Land zu zerfallen droht und dass die ehemaligen „Rebellen“ sich schuldig machen (Uno prangert Verbrechen libyscher Rebellen an).

Was mich bei Libyen noch krank gemacht hat, empfinde ich bei Syrien schon als Normalität: die sehr einseitige Berichterstattung der deutschen Medien, wieder pro „Rebellen“ und stets aus der Perspektive der „Rebellen“. Die Perspektive hat sich in diesem bemerkenswerten Artikel von Ulrike Putz (Der Henker von Bab Amr) nicht geändert, aber es ist ein seltenes Stück, das sich kritisch mit den syrischen „Rebellen“ befasst und daher lesenswert. Das wiegt die Tonnen von Propaganda die SPON bereits gegen Assad losgelassen hat nicht auf, lässt aber die Hoffnung aufkeimen, dass Spiegel-Online zumindest nicht ausschließlich dirigierten Tenedenzjournalismus ausübt.

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3 Gedanken zu „SPON stellt fest, dass nicht alle Rebellen lieb sind

  1. genova68

    Hast du das in der Holtzbrinck-Journalistenschule gelernt, dass man zu einem Artikel „Stück“ sagt? Lese ich immer wieder mal, stolpere jedesmal.

    Aber in der Sache ist das wohl so. Mich interessiert ja weder Libyen noch Syrien, zu weit weg und noch nie dagewesen. Aber die Berichterstattung ist komplett einseitig, die „Rebellen“ sind automatisch immer die, die so eine Art FDGO wollen.

    Todenhöfer hat sich da mal wieder gegen den Strom gestellt.

    Antwort
    1. hanneswurst Autor

      Todenhöfer sollte man zugutehalten, dass er wenigstens nicht verschleiert, dass seine Einstellungen zu Gaddafi und Assad auf eigenen Erlebnissen und auf emotionaler Betroffenheit beruhen (man könnte auch sagen, er ist sentimental). Er outet sich sozusagen offen als Konstruktivist, was zur Folge hat, dass er stets bemüht scheint, viele Informationen von unterschiedlichen Seiten einzuholen.

      Die meisten Medien versuchen dahingegen, krampfhaft eine bestimmte Position zu beziehen oder gar eine „objektive Wahrheit“ vorzugaukeln – ein starkes Stück und wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass man den Leser – den man auf der Suche nach einfachen Wahrheiten wähnt – nicht überfordern möchte, ähnlich wie man einem kleinen Kind auch lieber ein bisschen Quatsch erzählt als es mit verwirrenden Geschichten in Missstimmung zu versetzen.

      Naja. Ich lese einige Monate später im Lettre, was wirklich Sache ist.

      Antwort
  2. genova68

    Ja, ich habe nichts gegen Todenhöfer. Vielleicht manchmal etwas überengagiert, aber als Korrektur der herrschenden Sichtweisen gut.

    Bleib am Ball!

    Antwort

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