Kurzes Lob des Analogen

Man mag sich wundern, warum es der Wissenschaft nicht gelingt, künstliches Leben zu fabrizieren. Nicht einmal so etwas wie Salinenkrebse, die doch wie trocken Korn tot vor uns liegen und denen mit ein wenig Wasser Leben eingehaucht werden kann. Das Unvermögen wird jedoch weniger verwundern, wenn bedacht wird, dass der Mensch nicht einmal einen guten Whisky synthetisieren kann. Was innerhalb einiger Jahrzehnte in den Whiskyfässern vor sich geht, scheint genauso mysteriös zu sein, wie die Wiederbelebung des Salinenkrebses.

Warum sind einige Dinge auf überschaubare Daten reduzierbar und damit digitalisierbar – wie die Musik auf einer CD – und andere nicht – wie der Geschmack eines guten Weins? Die Erklärung ist, dass die Dinge leicht digital vermittelt werden können, die nicht unmittelbar wahrgenommen werden. Text, Audio und Video leben in und von der Vorstellungswelt, die je schon im Subjekt präexistiert. Spärliche digitale Information reichen aus, um diese Vorstellungen anzuregen, die Musik spielt jedoch im Subjekt und wurde analog vermittelt.

Das ist auch der Grund, warum dieses Blog so dürftig bestückt wird. Könnte ich hier Whisky reichen, wäre mehr da. Ich trinke übrigens gerade einen 18-jährigen Bruichladdich. Guten Abend.

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2 Gedanken zu „Kurzes Lob des Analogen

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