Es ist ENDLICH so weit

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6 Gedanken zu „Es ist ENDLICH so weit

    1. hanneswurst Autor

      Danke der Nachfrage, Blinder Hund, leider weiß ich es nicht weil ich noch nichts gelesen habe. Es ist wahrscheinlich traurig, ich habe doch so lange auf das Buch gewartet, und jetzt liegen diese gut 1200 Seiten in zwei Bänden vor mir und da fällt mir plötzlich wieder ein „aus Büchern kann man nichts lernen“. Ich habe ungefähr 20 Jahre lang Philosophie studiert und da muss man ja lesen ob man will oder nicht. So die eine oder andere Seite von „Sein und Zeit“ war lustig (würg), Schopenhauer mit seinem komischen Gedöns auch, wenn man viel Zeit hat und Aristoteles lesen kann dann ist das ein tolles Hobby. Leider jedoch ist Philosophie jetzt, mit dem doofen Magister in der Tasche, gar nicht mehr so reizvoll für mich – oder jedenfalls die hauptsächlich reproduzierende Philosophie oder die Philosophiegeschichte. Ich lese zum Beispiel gerne im Aisthesis Blog von Bersarin, aber oft sind seine Texte so lang, da will ich schon gar nicht mehr.

      Derek Parfit ist ein Philosoph, der wirklich Einfluss auf mich hatte. Sehr interessant fand ich die Information, dass ein Mensch mit einem halben Gehirn oft recht passabel leben kann, was die Frage eröffnet, in welcher Gehirnhälfte das „Ich“ lokalisiert ist. Ich habe ihn daraufhin angemailt, mit der Vermutung dass es doch ein „Backup-Ich“ in der anderen Gehirnhälfte geben könnte, das erst übernimmt, wenn der halbe Kopf weggeschossen wurde. Er antwortete auch prompt, der große Derek Parfit – um mir mitzuteilen, dass diese Theorie schon verworfen wurde (ich weiß nicht mehr wie). Die kurze Korrespondenz mit Parfit war die einsame Spitze meiner philosophischen Laufbahn. Die Kernaussage in seinem Werk war für mich, dass ein Mensch aus einer Reihe von mentalen Attributen besteht (hungrig, geizig, geil usw.) die insgesamt seine sogenannte „personale Identität“ ausmachen. Diese Attribute überschneiden sich jedoch allerorts. So habe ich viel mit Adolf Hitler gemeinsam, zum Beispiel Harndrang und gelegentliches Durstgefühl. Ich erwähne das, weil ein Seminarteilnehmer laut aufgeschrien hat „Nein, wie können Sie es wagen, ich habe mit diesem Menschen nichts gemeinsam.“ Jedenfalls stirbt demgemäß auch keiner, solange diese Attribute noch in irgendwelchen Bewusstseinen vertreten sind. Für mich ist das tatsächlich ein tröstlicher Gedanke oder jedenfalls wird mir dadurch deutlich, wie engstirnig (im wahrsten Sinne) die Idee einer höchst privaten, individuellen Identität ist. „On What Matters“ – das weiß ich schon – ist eine ethische Ausarbeitung die sich an Fragen abarbeitet, die Kant gestellt hat (bzw. versucht hat, zu beantworten). Irgendwas über Konsequentialismus und deontologische Ethik und wie man beide unter einen Hut bekommt oder auch nicht. Ethik ist schon eine Disziplin, die mich sehr interessiert. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich die 1200 Seiten jemals durcharbeiten werde. Falls ja, werden Sie es zuerst erfahren.

      Antwort
      1. der blinde Hund

        Danke für die Antwort und die schöne Anekdote. Die Analytiker sind ja wohl im allgemeinen sehr umgänglich. Ich kenne Parfit bisher nur dem Namen nach und aus Rezensionen, aber er wird ja, soweit ich das sehe, allseits als Philosoph gerühmt, z.B. hier:

        http://marginalrevolution.com/marginalrevolution/2011/07/on-what-matters-vol-i-review-of-derek-parfit.html

        Die Seitenzahl schreckt mich aber ab, ganz abgesehen davon, dass ich für 1200 Seiten momentan keine Zeit habe. Und ich kenne auch das Verhalten sehr gut, sich Bücher zu kaufen, auf die man sich sehr freut, um sie dann doch nicht zu lesen.

        Grüße,
        dbH

        Antwort
  1. Bersarin

    Es ist schön, daß Sie gerne in meinem Blog lesen, Hanneswurst.

    Ja, die langen Texte: und dabei bemühe ich mich doch so sehr, mich kurzzufassen. Kürzer als ich es schreibe, kann man einen philosophischen Essay doch gar nicht verfassen.

    Antwort

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