Der sINN des Universums 3: Die Rückkehr der tRAUM-Deuter

Wieder erhielten wir einige Zuschriften, die wir dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchten.

Hochverehrter Herr wURST,

wir sind ein kleiner aber feiner (ein Mitglied trug bis zur Adelsverfolgung einen Titel) Philosophierclub aus Castrop-Rauxel. Ihre Offenbarungen haben uns tief bewegt. Wir haben einen kleinen Tempel in unserem Clubraum eingerichtet.

Wir haben keine Fragen mehr.

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Der Blogautor bittet darum, derartige kultische Handlungen zu unterlassen. Hier wird spekulative Philosophie betrieben, es werden jedoch keine Offenbarungen mitgeteilt. Hören Sie bitte auch nicht auf, nachzudenken. Es hätte keinen Sinn, Neopaganismus, Swedenborgianismus, Rosenkreuzertum, Scientologentum usw. durch Wurstanismus, Hannesianismus, Wurstkreuzertum, Wurstologentum usw. zu ersetzen. Ebenfalls wäre es unsinnig, den „Wurstturm“ in den Händen haltend in Fußgängerzonen herumzulungern. Wer dennoch seiner Verehrung Ausdruck verleihen möchte, der möge dieses Symbol ausdrucken und in einem Medaillon stets bei sich tragen:

Zur Sache. Wie weiter oben beschrieben ist der sINN des Universums möglicherweise deshalb unbekannt, weil das Universum tatsächlich eine Schöpfung ist, eine Komposition, und weil ein Akteur (m/w) innerhalb dieses Universums, wahrscheinlich das erschaffende Element selber, planmäßig diese Unwissenheit konstruiert hat.

Dies wäre eine nicht zu unterschätzende Leistung des Schöpfers (m/w), der definitionsgemäß den sINN ja kennt bzw. selber der sINN ist. Dies ist nicht weniger eine Singularität wie das „unbewegte Bewegende“, denn das Konzept des beschränkten Wissens muss für ein allwissendes Individuum vollkommen unbekannt sein. Überhaupt muss ein allwissendes, allmächtiges Individuum es äußerst schwer haben, sich die Existenz weiterer Individuen vorzustellen.

Kraft seiner Allwissenheit wird der Allwissende (m/w) stets wissen, was das Individuum jeweils denkt oder tun wird. Damit ist aus der Sicht des Allwissenden jedoch der Charakter der Individualität verlorengegangen; wer ein Individuum erschafft und alles über jeden Zustand dieses Individuums weiß, der wird die Handlungen des Individuums ungefähr so individuell finden wie einen zu Boden fallenden Stein.

Um also wirkliche Individuen – vielleicht nach dem Ebenbild des Schöpfers  – zu erschaffen, muss der Schöpfer seine eigene Allwissenheit künstlich beschränken. Er muss eine partielle Unwissenheit konstruieren. Es ergibt sich daraus, dass auch die geschaffenen Individuen nicht allwissend sein können, da dann auch ihr Intellekt sozusagen einseitig mit dem Schöpfer direkt verbunden wäre. Die Schöpfer / Geschöpf Rolle würde sich quasi umkehren, das Geschöpf wäre allwissend, der Schöpfer kein Individuum mehr; ein Gedankenspiel das hier nicht weiter ausgeführt werden soll.

Oh süße Unwissenheit, größte Erfindung unseres geliebten Schöpfers (m/w). Aus der Erfindung der Unwissenheit ergibt sich quasi zwangsläufig auch die Beschränkung der Reichweite und der Lebenszeit. Wäre der Mensch unsterblich (es hätte dazu kommen können, denn nicht nur die Frucht der Erkenntnis sondern auch die Frucht der Unsterblichkeit war prinzipiell im Paradies verfügbar, was dann übrigens auch der Grund der Vertreibung aus dem Paradies war), dann würde er dem Universum bald viele Geheimnisse abringen und auch über sich selbst so gut Bescheid wissen, dass Dekadenz und Langeweile die Individualität nicht weiter wünschenswert erscheinen lassen dürften. Ebenso war es ein kluger Schachzug, die Reisegeschwindigkeit unter der Geschwindigkeit des Lichts zu fixieren (eine physikalische Notwendigkeit, die sich der Schöpfer, wie jede physikalische Notwendigkeit, einfach ausgedacht hat).

In der nächsten Folge – die vielleicht erst nach der Sommerpause erscheinen wird – soll praktisch ausgemalt werden, wie der Schöpfungsprozess vor sich ging, was voraussichtlich mit der Schöpfung passieren wird, und warum Menschen gerne mehr essen, als gesund ist. In der darauffolgenden Folge wird übrigens erklärt, was der Schöpfer davon überhaupt hat. Sofern es ihn gibt.

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3 Gedanken zu „Der sINN des Universums 3: Die Rückkehr der tRAUM-Deuter

  1. T.Rhemalog

    Verehrter Hr.Wurst

    „Sofern es ihn gibt“? Ich bete, Sie scherzen.
    Beunruhigt aber standhaft,
    T.Rhemalog

    Antwort
    1. hanneswurst Autor

      Liebe Frau Rhemalog, lieber Herr Rhemalog,

      vielen Dank für Ihren freundlichen Textwahrnehmungsbeleg. In der Tat finde ich es im Zweifelsfall immer noch am sinnvollsten, zu beten. Was bleibt auch dem Kind im Märchen der Großmutter in Büchners Woyzeck, es kann doch nur hoffen, dass die toten Gestirne nicht Alles sind.

      Sie haben aber vielleicht bemerkt, dass es so eine Sache mit der Allwissenheit ist. Wenn Gott allwissend ist, dann muss er auch wissen wie es ist, unwissend zu sein. Ansonsten würde dieses Gefühl in seinem Repertoire fehlen und er wäre nicht allwissend. Er könnte vielleicht einen Menschen erschaffen und der Mensch denkt: „Verdammt, was ist das denn.“ Gott könnte diese Wahrnehmung der Unwissenheit, den Wissensdurst, jedoch nicht nachempfinden, er wäre unwissend über den Zustand der Unwissenheit.

      Das lässt folgende Alternativen zu: 1) Gott ist erst im Laufe der Zeit allwissend geworden. 2) Gott ist nicht allwissend. 3) Gottes ontologischer Zustand ist nicht mit menschlicher Logik kompatibel (er kann z.B. gleichzeitig wissend und unwissend sein). 4) Es gibt keinen Gott.

      Ich tendiere nach oberflächlicher Betrachtung zu Möglichkeit 2 oder 3. Eins ist meiner Meinung nach ganz klar: Der Gott, der im ontologischen Gottesbeweis bewiesen wird existiert in jedem Fall. Ich nenne ihn mal den B-Runden Gott denn er ist an das menschliche Bewusstsein gebunden (Hegels Weltgeist und ähnliches Gedöns) und nicht unbedingt der Schöpfer (wenn dann im Idealismus selber).

      Der A-Runden Gott jedoch, der tatsächliche Schöpfer oder das Prinzip das a priori und vor der Existenz der Phänomene vorhanden war, bei dem liegt die Sache anders, er entzieht sich der direkten Analyse und er könnte eigentlich auch ein physikalisches Prinzip sein (Gravitation) aber eben das Prinzip, das ursächlich und einzig und allein für die Entstehung des Universums in der Form wie wir es kennen ursächlich ist. Ob dieser A-Runden Gott jedoch in irgendwelche menschlichen Kategorien passt wage ich zu bezweifeln.

      Zur Anbetung eignen sich jedoch A-Runden und B-Runden Gott gleichermaßen. Statt des B-Runden Gottes können auch direkt Jesus oder Maria angebetet werden. Es ist ja eigentlich Wurst ob man jetzt einen Gott, Halbgott, die Mutter eines Halbgottes order direkt die Menschen die man liebt anbetet.

      Im Islam wird das etwas strenger gesehen, die Trennlinie zwischen Gott und den Menschen ist wesentlich eindeutiger aber dennoch kommt wohl den Propheten eine gewisse Verehrung zuteil wenn auch keine Anbetung wie bei den Kathölikern. Ob das fortschrittlicher oder unnötig streng ist vermag ich nicht zu beurteilen, ich weiß ja auch nicht ob die Muslime den A- oder den B-Runden Gott anbeten.

      Ihnen wünsche ich weiterhin fromme Gebete, Ruhe und Standhaftigkeit. In der Sommerpause möchte ich das Blog nicht fortführen, aber das Wetter ist sehr schlecht und der Sommer vielleicht schon bald wieder vorbei.

      Mit freundlichen Grüßen
      wURST

      Antwort
  2. T.Rhemalog

    Werter Hr. Wurst
    Wir sind noch uneins über die konkreten Aspekte, die uns bezüglich ihrer erfreulich schnellen Antwort ausführungswürdig erscheinen. Bitten hiermit um ein Zugeständnis an Zeit,
    Dank vorab,
    Ehepaar T.Rhemalog

    Antwort

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