Der sINN des Universums (2a): Mögliche Ursachen der Unbekanntheit des sINNs

Wieder ist es nötig, ein Paralipomenon zum vorherigen Artikel nachzustellen. Zwischen den später zu erörternden Möglichkeiten 2 (der sINN ist aufgrund mangelnder epistemologischer Möglichkeiten nicht zugänglich) und 3 (die Unbekanntheit des sINNs ist teleologischer / noosphärischer Natur) gibt es nämlich eine Art „Hybridlösung“, die unbedingt erwähnt werden muss. Ein aufmerksamer Leser teilte dies mit:

Hochverehrter Herr wURST,

Sie sind gebenedeit unter den Blogschreibern. Ihr Reich komme, Ihr Wille [… Anm. des Blogautors: Wieso wird Gott im Allgemeinen eigentlich geduzt? Hat er es angeboten?]

Nun zu meiner Aussage: Dieser von Ihnen so herrlich erörterte sINN war mir bis vor einiger Zeit bekannt. Inzwischen habe ich ihn leider vergessen.

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Dem ist nicht viel zuzufügen. Tatsächlich wäre es möglich, dass der sINN einst bekannt war, jedoch (was sowohl vorteilig als auch nachteilig sein könnte) einfach vergessen wurde.

Tatsächlich ist das Vergessen ein wichtiger Bestandteil der mentalen Sphäre. Nicht nur, dass es als Kapazitätsschutz dient, denn entgegen einiger populärwissenschaftlicher Mythen ist die Speicherkapazität des Gehirns sehr wohl beschränkt. Die Kapazität ist durch die Art der assoziativen Datenverarbeitung schwer in Bits und Bytes konvertierbar, wird aber auf ca. zwei bis acht Terabyte geschätzt. Insofern hat das Vergessen die wichtige Funktion der „Garbage Collection“.

Das Vergessen hat aber noch andere Funktionen. Junge Eltern eines Kleinkinds können sich oft kaum vorstellen, den erheblichen Stress der Elternschaft ein weiteres Mal auf sich zu nehmen. Erst nach der Geburt des nächsten Kindes fällt ihnen der Schlamassel wieder ein. Hier dient das Vergessen also der Arterhaltung.

Allgemein gesprochen gibt es unzählige Gelegenheit zum Beispiel auch in Kommunikation und Zwischenmenschlichkeit, das Vergessen als Segen und nicht als Defizit zu empfinden. In der Tat ist es verwunderlich, dass außer allen möglichen albernen Gehirnjogging Produkten nicht auch ein paar ganz vernünftige Memory Burner angeboten werden.

Es kann eingewendet werden, dass es ja nicht nur wichtig ist überhaupt vergessen zu können, sondern auch das Richtige zu vergessen, und dass es ja wohl kaum vernünftig sein kann und deswegen weit hergeholt ist, dass der sINN – wahrscheinlich kollektiv – vergessen wurde.

Ob es sinnvoll war den sINN zu vergessen, steht auf einem andere Blatt. Ganz unwahrscheinlich ist es jedoch nicht. Auch andere bedeutende Informationen sind in wenigen Jahrtausenden verloren gegangen, zum Beispiel die Technik der Erbauung vieler Pyramiden oder die Herstellungsweise der darin gefundenen Artefakte (Amphoren, deren Hohlräume „ums Eck“ gefräst wurden).

Das Informationszeitalter wird diese Form des Vergessens nach Meinung des Blogautors übrigens nicht unwahrscheinlicher machen. Unsere Nachfahren werden in 150 Jahren zu Recht mit einiger Skepsis auf die Berge aus Wikipedia-Datenmüll, WordPress-Blogmüll und den ganzen virenzerfressenen Spam schauen, der heute produziert wird. 1000 Jahre später wird darüber gestritten, ob es das Internet je gegeben hat, und ob auch Speisen und Getränke per E-Mail verschickt werden konnten.

Wäre es nicht so, dann würden die neuronalen Netze (=Gehirne) der Menschen überoptimieren und in einem lokalen Maximum steckenbleiben, was nichts anderes bedeutet als Stagnation aufgrund einer als optimal angenommenen Lösung. Den gleichen Fehler vermeidet die genetische Evolution durch Kreuzung, (nur) partielle Selektion und Mutation, man könnte sagen, dass auch die Replikationsmechanismen des Genoms vergessen.

Zusammenfassend: Das Vergessen ist eine plausible Ursache dafür, dass der Blogautor den sINN nicht kennt. Andere plausible Lösungen folgen demnächst hier, im phänomenal-holistischen, astro-spatialen hANNES wURST Transzendentalblog.

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7 Gedanken zu „Der sINN des Universums (2a): Mögliche Ursachen der Unbekanntheit des sINNs

  1. Pes Simplex

    Herr Wurst,

    Ihre Ausführungen werden immer wahnsinniger und unverständlicher – sehr löblich!!!

    P. Simplex

    Antwort
    1. hanneswurst Autor

      Sehr geehrter Herr Simplex,

      vielen Dank für Ihr Lob, das uns zu neuen Höchstleistungen anspornt. Warten Sie erst einmal, bis die Gravitation ins Spiel kommt.

      Mit freundlichem Gruß
      h. wURST

      Antwort
  2. T.Rhemalog

    Sehr geehrter Hr. wURST,
    ich will ja nicht drängeln, und natürlich ist der Erörterung des Sinnlos-Sinngebenden nicht in einer Blogmanier beizukommen, alle drei Tage Text zu produzieren, aber neulich erst hab ich richtigen Schrott geträumt, der passt urst zum ihrem Thema, und den ich Ihnen, bevor ichs vergesse und Sie alswann sich wieder ansinnen zu bloggen, gern erzählen möchte: Ich entzog mich der Gravitation. Das war Ohnegleichen, aber nicht aufzuwiegen gegen die Bestürzung bei der Vorstellung, ich werde beobachtet, und flüchtete entschieden zurück in die Schwere.

    Ich vernachlässige mal klassische Deutungsansätze zugunsten philosophischer, und schlussfolgere freimütig: Berceley ist evt. zu überdenken. „Sein ist wahrgenommen werden“ rückt auf zu „sein ist vorzustellen, wahrgenommen zu werden“. Beidem liegt zugrunde: Gerichtetheit bindet in Bedingtheit. Worunter sich noch zahlreiche andere theoretische Positionen subsumieren ließen. Um mal vom Verdacht abzulenken, mit Belesenheit prahlen zu wollen, noch zwei Fragen:
    1. in der Sinntraube setzen sie Sprache -Bewusstsein verstehen – Gravitation verstehen senkrecht in eine Linie. Aber wie genau gestaltet sich der Zusammenhang? Oder ging es bei der Erstellung der Traubenbildes nicht so sehr um das Klären der Detailzusammenhänge, als darum, aufzuzeigen, dass alle Stränge schnurgerade sich an einen uni-sense binden,der sich uns entzieht?
    2. Antworten, die sich als Wahrheiten verkleiden, sind der Aporie bekanntlich ein Graus. Auch wenn es die Intention ihrer ausweglosen Erörterung nicht sein kann, Einzelphänomene zu verfolgen und ihnen erkenntnistheoretische Eindeutigkeiten abzuringen, sondern einen Argumentationsweg aufzuspüren, der, indem er Vergnügen bereitet, attraktiv genug scheint, manifesten Halten misstrauen zu lernen, läge die Ironie der Aporie nicht schon immer darin, sich ihrer finalen Unstete stets gewiss zu sein?: Es gibt keinen letzten Schluss, außer man muss.
    – z.b. mit anderen Dingen weitermachen, so wie ich jetzt.
    Hochachtungsvoll, mit bestem Gruß und Wink, der Kommentar meint mehr Lob und bedeutet weniger als die ihm eingesponnene Attitüde ungebremster Sinnfälligkeiten,

    T.Rhemalog

    Antwort
    1. hanneswurst Autor

      Sehr geehrter Herr Rhemalog,

      vielen Dank für Ihren Kommentar, der jeder Grundlage entbehrt, und nicht nur deswegen unglaublich wertvoll für alle Leser und mich ist. Den Satz „Das war Ohnegleichen, aber nicht aufzuwiegen gegen die Bestürzung bei der Vorstellung, ich werde beobachtet, und flüchtete entschieden zurück in die Schwere“ habe ich leider nicht ganz verstanden. War es nicht eher so, dass Sie in dem Moment bestürzt waren, in dem Sie festgestellt haben, dass dort nichts war, was Sie wahrnehmen könnte? Wenn ja, dann ist dieser unangenehmer eventuelle Zustand tatsächlich einer der Aspekte, den ich in einem der nächsten Beiträge über den Sinn des Nicht-Wissens eruieren möchte. Vorwegnehmen kann ich, dass ich diesen eventuellen Sinn des Nicht-Wissens für relativ plausibel halte – was soll ein Gott schon tun, wenn er unglaublich einsam ist? Ob eine Position idealistisch, materialistisch oder irgendetwas dazwischen ist verliert hier natürlich seine Bedeutung.

      Zu Ihren Fragen:

      1) Ich bitte Sie, die sINNtraube auf die leichte Schulter zu nehmen. In erster Linie ging es darum, aufzuzeigen dass alle möglichen „lokalen“ Sinnhaftigkeiten am obersten sINN hängen. Der Zusammenhang ist eigentlich ein zeitlicher, die weiter unten hängenden Trauben werden zuerst konsumiert. Natürlich habe ich die Kästchen mit den Dingen gefüllt, die mir am Herzen liegen, dazu gehört das Mysterium der persönlichen Identität aber eben auch die Gravitation, die ich für das am meisten missverstandene physikalische Konzept halte. Leider habe ich noch keine stringente „Theory of Everything“ um dies zu untermauern, dazu bedarf es wahrscheinlisch einer zweiten physikalisch / philosophischen Blogreihe. Ich fühle die Wahrheit über das Konzept der Gravitation jedoch schon, wenn Sie verstehen was ich meine. Das ist ja nicht weit hergeholt, wenn man bedenkt, dass einige Elementarteilchen meines Gehirns auch vor dem „Urknall“ schon irgendwie existiert haben. Fest steht für mich: Gravitation, Raum und Zeit stehen in einer e=mc2-artigen Beziehung zueinander.

      2) In der Philosophie gilt für mich: soweit die Erkenntnisfähigkeit reicht, halte ich eine kohärente Forschung für erstrebenswert. Natürlich mit der steten Bereitschaft, alle Ergebnisse stets zu revidieren. Wird dann ein Punkt erreicht, an dem eine Verifikation nicht mehr möglich ist, dann sollte meiner Meinung nach mit dem gleichen Elan metaphysisch fortgefahren werden. Die Positivierung halte ich aus verschiedenen Gründen für nicht so bedeutend, zum Beispiel weil sich häufig herausstellt, dass als sicher Angenommenes dann doch nur ein tRAUM war. Das gilt aber wie gesagt nur für die Metaphysik, Ethik darf man so selbstverständlich nicht betreiben.

      Mit kollegialem Gruß
      h. wURST

      Antwort
  3. T.Rhemalog

    Schick!, sehr geehrter Hr. Wurst
    2. Was dem einen wertvoll, Kollege, sind dem andren nahrhaft Vollwert-Kellogs. Ich gehe mal davon aus, Sie möchten ihre Haltung zum Forschen nicht fehlverstanden wissen. Erörterung als Ausweg-lose meint ja nicht, ich hielte ihr Unterfangen für widersprüchlich, gar sinnfrei, nur eine endgültige Lösung hingegen für uninteressant. Sie käme eben einem Ausweg gleich, einem Exit, einem allerletzten Schluss, dem Ende, der Apokalypse vielleicht, die ja Enthüllung meint. Insofern kann ich auch Ihrer Interpretation gut folgen, die im Traum beschriebene Furcht wäre eine Furcht vor dem Nichts, implizit: die ausbleibende Möglichkeit zur Interaktion. Betrachten sie die Schilderung als konzentrierte Wortspielvage. Es ging mehr nur darum, die Position, das Ausgerichtet-sein-auf-etwas (Ich stelle vor, denke, nehme wahr) als wesentliche Bestimmung für das in-der-Welt-sein zu bedenken, dass sich stets als ein Bedingtsein formuliert. Nach meinen Begriffen sucht Forschung, die diese Bedingtheit bestimmenden Größen & Relationen zu beschreiben und in schlüssige Bedeutungssysteme zu fassen. Dass mit neuen Informationen, Zeichen, Erkenntnissen, etc. die Systeme wachsen, sich verändern, sich gar selbst zum Beobachtungsgegenstand machen, weil sie herausfinden wollen, warum sich ihnen etwas überhaupt als relevant erweist, erscheint dabei nur natürlich. Aber eine Letzt-gültigkeit flüchtet anscheindend vor uns. Oder wie stets vor ihr, wie mans nimmt. Falls das Spiegel menschlichen Denkens sein sollte, hieße das entweder, dass wir uns nicht für Endgültigkeiten interessieren, sondern für Erklärungen als kommunikationsindizierende Stellungnahmen (Streben nach Input, weil wir auf Austausch aus sind), oder es uns prinzipiell, gesetzesmäßig sozusagen, unmöglich ist, folgt man der obrigen Prämisse: Ich erkenne, wozu zu erkennen ich imstande bin : Erkennen steht in Abhängigkeit von meiner Position im (Bezugs-)Raum, (wobei ein Vermögen zu Erkennen vorrausgesetzt ist) und meint also Verortung mit begrenzter Perspektive. Selbst eine Theorie, die sich als eine „theory of everything“ wähnt, nähme sich in dieser Begrenztheit nicht aus, weil sie nicht zu klären wüßte, warum Fritz Müller gerade heute, und ansonsten nie, bei Rot über die Ampel geht und zudem den LKW übersah – es liegt nicht in ihrem Blickfeld.
    1. Systemtheoretisch meint Information eine „in-Form- Setzung“, die durch „Wahr-nehmen“ als ein Akt des Unterscheidens gewonnen wird. Ein Bild, das auch dem Wort „existere“ (lat. „heraustreten“, aus dem Unbestimmten?) inne liegen mag. Welcher Erkenntnisgehalt fürs Weltverstehen liegt in der Sprache? Francis Bacon postuliert Erkennen dh. Empirie, und warnt, Wörter als die Dinge zu verkennen. Hegel vertraut gerade auf den spekulativen Geist der Sprache, und exemplifiziert am Begriff „Aufhebung“, inwieweit sie Auskunft über die Beschaffenheit von Welt geben kann. Auch noch ein Satz, der mir grad im Hirn rumknallt: Am Anfang war das Wort 😉
    Viel Neues weiß ich nicht zu sagen, und bin auf Ihre Ausführungen zum Nicht-Wissen, die wohl Aufschlussreiches versprechen, umso gespannter.
    Mit sinn – sann – sonn-tauglichem Gruß,
    T. Rhemalog

    Antwort
    1. hanneswurst Autor

      Lieber Herr T. Rhemalog,

      wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann verstehe ich Sie richtig: wir scheinen darüber einig zu sein, dass Information, auch wenn Sie Wissen geworden ist, stets revidierbar bleiben muss. Außerdem kann man ruhig einsehen, dass man einiges nicht einsehen kann, ohne dass man gleich die Augen verschließen muss. Endgültige Lösungen wären in der Tat ein Gräuel. Mir ist es noch nicht genug, dass ich nicht voraussagen kann, dass Fritz Müller über eine rote Ampel läuft – denn dies könnte auch einfach nur daran liegen, dass meine Messinstrumente nicht genau genug sind. Wäre der sINN bekannt – dann wäre dies aller Voraussicht nach eine Katastrophe bzw. eben die von Ihnen erwähnte Apokalypse. Dies wird zu erörtern sein. Ich habe jetzt erst einmal etwas persönliches veröffentlicht und hoffe, Sie laufen nicht weg.

      Mit kollegialem Gruß
      h. wURST

      Antwort
  4. T.Rhemalog

    …. es sollte heißen: „anscheinend“, „kommunikationsinduzierend“; und das „Viel“ im letzten Satz entfällt.

    Antwort

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