Der Sinn des Universums (1a)

Angekündigt war eigentlich die Frage nach der seltsamen Unbekanntheit des Sinns des Universums. Jedoch erreichte uns  zur Definition des „Sinnes“ eine mehr oder weniger bedeutsame Frage von einem Kommentator (der anonym bleiben möchte). Diese Frage kann nicht einfach übergangen werden. Wer jedoch mit der bisher gegebenen Definition zufrieden ist, der möge ohne Umschweife auf den Artikel „Der Sinn des Universums (2)“ warten und diesen Artikel übergehen.

Hier die angesprochene Elektropost:

Hochverehrter Herr wURST,

mit größtem Interesse verfolge ich ihr ambitioniertes Projekt zur Erforschung des Sinns des Universums. Sie sind ein Genie, und ich hoffe sehr, dass auch wir bodenständigeren Leute (ich bin ein einfacher Neurophysiologe) durch das Studium Ihres Blogs ein wenige Erleuchtung in unser schattiges Leben […]

Nun meine bescheidene Frage. Was bedeutet „Intention“ in Ihrer zuletzt gegebenen Definition:  „Sinn ist die Intention einer Handlung oder das intendierte Produkt einer Handlung.“?

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Der Leser wird vielleicht erkennen, worauf diese so unschuldig daherkommende Frage abzielt: auf die scheinbare Zerstörung jeder Grundlage für die Existenz jeden Sinnes. Eine Intention nämlich setzt eine mehr oder weniger konstante Motivation eines Subjekts voraus, die im Menschen durch den sogenannten „freien Willen“ verursacht wird. Dieser freie Wille ist ein philosophisch hoffnungslos überladenes Konstrukt, dessen Existenz regelmäßig bezweifelt wird.

Tatsächlich ist es so, dass einige Experimente nahelegen, dass der individuelle Wille nichts anderes ist als der trügerische (aber aus Koordinationsgründen überlebenswichtige) Eindruck des Subjekts, die Aktionen befohlen zu haben, die der Körper des Subjekts ausführt. Dass es sich dabei eben nur um ein Gefühl und keine Tatsache handelt, das legt zum Beispiel das Libet-Experiment nahe oder erst recht die Elektrostimulation bestimmter Hirnareale, die sowohl das Zucken von Gliedmaßen auslöst, als auch des Gefühl des Probanden, dieses Zucken willentlich hervorgerufen zu haben.

In einem innigen Verhältnis zu den Fragen nach der Willensfreiheit stehen die Theorien zum Determinismus (kurz: die physikalische Notwendigkeit, dass alles so kommt, wie es kommt, und keiner konnte je etwas daran ändern) des Universums ein. Für jede mögliche Kombination von Determinismus und Willensfreiheit gibt es Vertreter, so zum Beispiel auch die Meinung, dass das Universum komplett determiniert ist und dennoch Willensfreiheit existiert. Dies kann an dieser Stelle aus Kostengründen (Aufmerksamkeitsökonomie) nicht vertieft werden.

Es bleibt jedoch leider dabei: die Existenz von Intention im Sinne von Willensfreiheit ist tatsächlich unbewiesen. Allerdings: auch wenn es möglich ist, dass der Mensch keinen freien Willen hat, bedeutet das nicht, dass es keinen freien Willen gäbe. Aber auch die Nicht-Existenz von Willen und Intention lässt Raum für die Suche nach dem Sinn des Universums.  Die Fragestellung ist aporetisch und niemand hat behauptet, dass transzendenter Sinn überhaupt existiert. Hier wird nur mit Möglichkeiten und vielleicht noch mit Plausibilitäten und Wahrscheinlichkeiten gearbeitet, sicherlich auch mit Wunschvorstellungen.

Wenn es also keine Intention gibt, dann löst sich die gegebene Definition wie folgt auf: „Sinn ist nicht-existent oder das Produkt von Nicht-Existenz.“ Mit anderen Worten: es gibt keinen Sinn, es sei denn, Sinn kann auch aus etwas Nicht-Existenten entstehen. Was einigermaßen seltsam wäre, denn demnach könnte es ähnlich wie es einen unbewegten Beweger im kosmologischen Gottesbeweis gibt, auch einen sinnlosen Sinngeber im hANNES wURSTschen Sinnbeweis geben.

Die Untersuchung kann dann hoffentlich bald mit der Frage fortschreiten, warum (zumindest dem Schreiber) der Sinn des Universums nicht bekannt ist.

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