Dr. Merkel nimmt DIE LINKE nicht ernst

In der F.A.Z. vom heutigen Tage gibt Frau Dr. Merkel Folgendes zu Protokoll:

Alle ernstzunehmenden Parteien, also Union, SPD, FDP und Grüne, sind für das Ziel "Arbeit für alle".

Alle ernstzunehmenden Parteien, also Union, SPD, FDP und Grüne, sind für das Ziel "Arbeit für alle".

Das wirft einige Fragen auf. Erstens: warum fehlt hier eine Partei, die laut aktuellem ARD Deutschlandtrend in den anstehenden Wahlen neun Prozent erzielen wird? Ist dies ein Fauxpas der sonst so aufgeräumten Kanzlerin? Wohl kaum, sondern eine rhetorische Figur.

Daraus folgt die zweite Frage: was meint sie mit "ernstzunehmen"? Dass sie persönlich diese neun Prozent gar nicht erreichen will? Dass sich neun Prozent der Wahlberechtigten inzwischen in einer Art Muppet-Welt verschanzt haben und nur noch als Witz verstanden werden können?

Dritte Frage: will DIE LINKE tatsächlich keine "Arbeit für alle"? Soll das suggerieren, dass DIE LINKE an einem gesellschaftlichen Entwurf arbeitet, der zum Beispiel der Idee der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands folgt (Ruhezonen für Arbeitsunwillige, Gated Communities für die Karrieregeilen die dafür die Bewohner in den Ruhezonen finanzieren müssen)?

Vierte Frage: sollte die Kanzlerschaft auf acht Jahre beschränkt werden? Denn: solche Ausfälle bei Dr. Merkel (der ich ansonsten gerne die Fähigkeit Nachzudenken und Abzuwägen zuspreche, ja ich möchte sie sogar "unseren Obama" nennen) könnten Anzeichen einer schleichenden Machtdemenz sein, die uns der hochverehrte Dr. Kohl seinerzeit vorgelebt hat.

Fünfte Frage: warum haken die F.A.Z. Interviewer Bannas oder Kohler nicht nach? Wahrscheinlich, weil sie nichts mehr merken oder weil ihnen das Interview so vom Kanzleramt zum Abdruck geliefert wurde.

Sechste Frage: warum lese ich die F.A.Z.? Weil sie dort wo ich ein- und ausgehe umsonst ausliegt. Und zur Feindbeobachtung.

Dennoch (und scheinbar konträr zum Vorgesagten) möchte ich an dieser Stelle einen Apell wiederholen, der sich in meinem politischen Bewusstsein festgesetzt hat und der sich weniger an Oskar richtet, als an die SPD:

Oskar, komm zurück!

Goldener Löwe in Eisenach, 1869 wurde hier die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründert (Foto: hANNES wURST)

Goldener Löwe in Eisenach, 1869 wurde hier die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründert (Foto: hANNES wURST)

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3 Gedanken zu „Dr. Merkel nimmt DIE LINKE nicht ernst

  1. genova68

    Huiuiui,

    seit wann bist du ein solch vehementer Verteidiger der Linken und auch noch von Lafontaine. Aber späte Einsicht ist besser als nie.

    In konservativen Kreisen ist es immer noch en vogue, die Linkspartei als etwas außerhalb des politischen Spektrums darzustellen. Das geschieht mit verschiedenen Floskeln: beipsielsweise „… alle demokratischen Parteien“ bzw. „wir lehnen Extremismus von links und von rechts ab“, womit NPD und Linke aus der Betrachtung rausfliegen.

    Antwort
    1. hanneswurst Autor

      Du weißt ja, ich bin ein Mitläufer, und eine Umfrage in meinem näheren Bekanntenkreis hat ergeben, dass DIE LINKE bei der Bundestagswahl 50% erreichen wird (Die Grünen 33,33%; NPD 16,66%). Das gibt spannende Koalitionsgespräche (ich tippe auf braun-rot, mal was Neues).

      Antwort

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