„Faces of Death“ jetzt auch bei der NRZ

Die Amokfahrt von Apeldoorn dokumentiert die NRZ auf Seite 1 vom 1. Mai mit diesem Foto (Detailausschnitt):

Death in Appeldoorn

Klasse! Früher musste ich auf rotten.com surfen, um mir so etwas anzusehen. Der Stern macht sogar eine Foto-Love Story daraus. Keine solche Foto-Galerie übrigens auf Spiegel.de (oder ich habe sie nicht gefunden.)

Schön auch, wenn Angehörige die Menschen am Boden erkennen. „Guck mal da, Mami, Papi hat es die Schuhe ausgezogen!“ „Lass das, Heintje, sei froh dass Deine Schwester auf dem Bild nicht mehr als eine Querschnittslähmung davongetragen hat.“

Rege ich mich künstlich über so eine Verrohung auf? Schließlich gibt es „Death Shots“, die allgemein als journalistisch wertvoll angesehen sind. Berühmt ist zum Beispiel dieses Bild. Auch dort sind Persönlichkeitsrechte (allgemein nimmt man an, dass Verstorbene nicht plötzlich Ihre Würde verlieren) in Gefahr und auch dieses Foto kann dazu dienen, bloße Sensationslust zu befriedigen.

Aber: dieses Foto diente auch dazu, Verhältnisse zu verdeutlichen und vielleicht erst begreifbar zu machen. Es hat daher zumindest als Unikat einen journalistischen Wert. Wobei differenziert beurteilt werden muss, ob die plakative Gewaltdarstellung nicht unnötig polarisiert.

Bilder von Apeldoorn sind jedoch journalistisch absolut nicht notwendig. Eine genauere Beschreibung des Tathergangs, vielleicht mit einem Schema zur Verdeutlichung, wären sinnvoll gewesen. Bilder der Schrecksekunden zu zeigen ist journalistisch ein absolutes Unding.

Ähnliches ist mir vor Jahren bei diesem Reuter Video aufgefallen, das z.B. auf handelsblatt.com und zeit.de veröffentlich wurde:

Death in Grevenbroich

Ich schrieb einen Leserkommentar, woraufhin zeit.de das Video sofort als inakzeptabel bezeichnete und entfernt hat. Das Bewusstsein dafür, dass solche Bilder nicht veröffentlicht werden sollten, ist sicherlich auch in den Redaktionen von der NRZ (vielleicht sogar von stern.de) vorhanden. Wird dort aber zugunsten anderer Interessen verdrängt.

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4 Gedanken zu „„Faces of Death“ jetzt auch bei der NRZ

  1. Jean Stubenzweig

    Dreimal ganz laut: Ja!

    Weshalb liest man von Ihnen eigentlich so wenig? Zeit oder Lust? Oder kommentieren Sie weiterhin fleißig anderswo? Ich als Ihr anderes Ich komme nicht mehr so rum wie früher …

    Antwort
    1. hanneswurst Autor

      Vielen Dank, Herr Stubenzweig,

      für dieses erste mir je bekannt gewordene Lobwort zu meinen Blogmühen.

      Gerne würde ich mehr schreiben. Allerdings ließe sich dann auch fragen, ob ich nicht überhaupt ein wenig ziellos mit der Stange im Nebel herumstochere, immer auf der Suche nach etwas, auf das sich draufkloppen ließe mit dieser von den neuen Medien gestählten Brechstange der reduzierten Sprache.

      Außerdem möchte ich mich gerne auf Auswüchse der Medien beschränken, was in der Vergangenheit nicht immer so war. Da ich nicht fernsehe und auch keine schlechten Zeitungen abonniere ist es eher Zufall, wenn ich einmal etwas wirklich Übles finde. Und das ist dann meistens auch anderen aufgefallen, wie das Beispiel „Gewalt in Apeldoorn“ beweist.

      Viele Grüße
      Ihr hANNES wURST

      Antwort
      1. genova68

        „…für dieses erste mir je bekannt gewordene Lobwort zu meinen Blogmühen.“

        Stimmt nicht, Herr Wurst,

        ich habe Sie auch schon gelobt. Ich lobe jetzt auch mal den Blog von Herrn Stubenzweig, von dem ich sogar schon abgekupfert habe, wenn ich mich nicht irre.

        Antwort

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