Zum Artikel Beweise (1) erhielt ich eine Zuschrift, die seltsamerweise in Stil und Inhalt sehr dem ähnelt, was auch zum “Sinn des Universums” so eintrudelte:
Hochverehrter Herr hANNES wURST,
mit größtem Interesse verfolge ich auch Ihre derzeitige Publikationsserie. Ich bin beeindruckt und verneige mich vor so viel Scharfsinn.
Als philosophischer Laie quält mich jedoch eine Frage: Sie haben bewiesen, dass Sie selbst, Ihre Liebe und Ihr Gott existieren. Allerdings nur sich selbst. Kann man mit so einem Beweis denn irgendetwas anfangen?
Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]
Selbstverständlich habe ich den ketzerischen Unterton dieser Zuschrift nicht überlesen. Dennoch ist die Frage berechtigt und zufälligerweise ist die Kernaussage von “Beweise (2)” auch die Antwort auf die Frage. Ich habe bewiesen, dass ich, die Liebe und Gott für mich existieren. Daraus kann vernünftigerweise nur eine Schlussfolgerung synthetisiert werden:
- Ich bin der liebe Gott
Wenn Sie das jetzt lesen, und denken “ich aber auch”, dann gebe ich Ihnen Recht. Außer: Falls Sie sich selber böse finden, dann sind Sie natürlich der böse Gott. Da jedoch das lieb oder böse sein im göttlichen Kontext vollkommen belanglos ist, sollte man lieber sagen, dass wir beide – Sie, verehrter Leser, und ich, hANNES wURST – der empathische Gott sind.
Da es tatsächlich nur einen Gott gibt, sind Sie ich usw., sofern Sie nicht eine Täuschung sind die ich selber erfunden habe. Übrigens bin ich daher Papst und Gott in einer Person, denn ich bin Diskordianischer Papst.
Der Sinn des Universums ist damit zwar noch nicht geklärt, obwohl jeder Tertianer, der meine bisherigen Ausführungen gelesen hat, sich diesen jetzt zusammenreimen kann. Man lese zum Beispiel noch einmal meine Darlegungen zur Unwissenheit nach. Dennoch werde ich den sINN demnächst an dieser Stelle endgültig aufdecken.
Übrigens ist das Aufblitzen des Wissens um die eigentliche Göttlichkeit auch die häufigste Ursache von Psychosen. In der Psychose wird dem Patienten plötzlich klar, dass er über Wissen verfügt, über das er logischerweise (bzw. laut herkömmlicher Vorstellung) gar nicht verfügen kann. Man sitzt zum Beispiel arglos in der Kantine und weiß plötzlich, was der Gesprächspartner denkt. Unser Bewusstsein ist darauf getrimmt, solche Situationen kurzzuschließen, indem ein lawinenartiger Realitätsverlust provoziert wird. Denn Du sollst noch nicht wissen, dass Du Gott bist – und das hat auch einen Sinn.


