Archiv für die Kategorie ‘Philosophie des Geistes’

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Beweise (2)

14. Januar 2011

Zum Artikel Beweise (1) erhielt ich eine Zuschrift, die seltsamerweise in Stil und Inhalt sehr dem ähnelt, was auch zum “Sinn des Universums” so eintrudelte:

Hochverehrter Herr hANNES wURST,

mit größtem Interesse verfolge ich auch Ihre derzeitige Publikationsserie. Ich bin beeindruckt und verneige mich vor so viel Scharfsinn.

Als philosophischer Laie quält mich jedoch eine Frage: Sie haben bewiesen, dass Sie selbst, Ihre Liebe und Ihr Gott existieren. Allerdings nur sich selbst. Kann man mit so einem Beweis denn irgendetwas anfangen?

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Selbstverständlich habe ich den ketzerischen Unterton dieser Zuschrift nicht überlesen. Dennoch ist die Frage berechtigt und zufälligerweise ist die Kernaussage von “Beweise (2)” auch die Antwort auf die Frage. Ich habe bewiesen, dass ich, die Liebe und Gott für mich existieren. Daraus kann vernünftigerweise nur eine Schlussfolgerung synthetisiert werden:

    Ich bin der liebe Gott

Wenn Sie das jetzt lesen, und denken “ich aber auch”, dann gebe ich Ihnen Recht. Außer: Falls Sie sich selber böse finden, dann sind Sie natürlich der böse Gott. Da jedoch das lieb oder böse sein im göttlichen Kontext vollkommen belanglos ist, sollte man lieber sagen, dass wir beide – Sie, verehrter Leser, und ich, hANNES wURST – der empathische Gott sind.

Da es tatsächlich nur einen Gott gibt, sind Sie ich usw., sofern Sie nicht eine Täuschung sind die ich selber erfunden habe. Übrigens bin ich daher Papst und Gott in einer Person, denn ich bin Diskordianischer Papst.

Der Sinn des Universums ist damit zwar noch nicht geklärt, obwohl jeder Tertianer, der meine bisherigen Ausführungen gelesen hat, sich diesen jetzt zusammenreimen kann. Man lese zum Beispiel noch einmal meine Darlegungen zur Unwissenheit nach. Dennoch werde ich den sINN demnächst an dieser Stelle endgültig aufdecken.

Übrigens ist das Aufblitzen des Wissens um die eigentliche Göttlichkeit auch die häufigste Ursache von Psychosen. In der Psychose wird dem Patienten plötzlich klar, dass er über Wissen verfügt, über das er logischerweise (bzw. laut herkömmlicher Vorstellung) gar nicht verfügen kann. Man sitzt zum Beispiel arglos in der Kantine und weiß plötzlich, was der Gesprächspartner denkt. Unser Bewusstsein ist darauf getrimmt, solche Situationen kurzzuschließen, indem ein lawinenartiger Realitätsverlust provoziert wird. Denn Du sollst noch nicht wissen, dass Du Gott bist – und das hat auch einen Sinn.

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Beweise (I)

9. Januar 2011

Es ist schwer, irgendetwas zu beweisen. Erst recht dann, wenn als Bezugsrahmen des Beweises kein theoretisches Konstrukt, wie zum Beispiel die Mathematik, sondern das Leben gesetzt wird. In Vorbereitung der Fortsetzung der Erfolgsserie „Der Sinn des Universums“ werde ich dennoch versuchen, in einer (nur zweiteiligen) Serie einige elementare Dinge zu beweisen. Berufsphilosophen können sich die Lektüre getrost sparen, der Novize jedoch möchte unbedingt weiterlesen, um das große Finale des „Sinns des Universums“ verstehen zu können.

    Beweis für die Existenz von überhaupt etwas

Descartes hat mit einem der wenigen überhaupt gültigen philosophischen Hauptsätze „Cogito ergo sum“ alles Nötige gesagt. Egal, wie eifrig ich versuche das Universum auf Schein und Täuschung zu reduzieren, es wird mir doch nicht gelingen, mich selber wegzudenken. Zwar kann ich mir klarmachen, dass ich aus Staub wurde und zu Staub werde und ich kann auch zu Recht anzweifeln, ob ich so bin wie es mir scheint. Zweifelsohne wäre es zum Beispiel möglich, dass ich – hANNES wURST – in Wahrheit ein Simulation bin die denkt dass sie hANNES wURST wäre. Ein beliebtes Science Fiction Sujet. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich für mich dann in dem Sinne in dem der Philosoph Existenz definiert tatsächlich existiere. „Ich denke also bin ich“, oder, etwas neutraler „da denkt doch was also ist da auch was“ bleibt also gültig. Wenn Sie, lieber Leser, diese Zeilen lesen und denken „ich aber auch“ dann gebe ich Ihnen Recht. Sicherlich kann jeder sich seine Existenz nur selber beweisen. Ohne weiteres wäre es möglich, dass Sie – lieber Leser – ich – hANNES wURST – sind. Sie schreiben dieses blödsinnige Blog nach zu viel Alkoholgenuss oder aufgrund eines psychischen Krankheitszustandes selber, und wissen später nichts mehr davon. Solche Dinge passieren andauernd, sie ändern aber nichts an der Beweiskraft. Sofern „Sein“ nicht unbedingt physisches „Sein“ voraussetzt, bleibt der Existenzbeweis jedenfalls gültig. Was sich als Überleitung zum zweiten Beweis anbietet.

    Beweis für die Existenz der Liebe

“Hätte ich allen Glauben, also dass ich Berge versetzte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.” – 1. Korinther 13,2. Den Glauben (an die Existenz) haben wir im ersten Beweis erledigt, es ist also nur angebracht den Beweis der Liebe anzuschließen. Das ist heikel, wie Liebende wissen, die sich mühen, den Geliebten die gefühlte Liebe möglichst glaubhaft zu machen. Es gibt unzählige Formen der Liebe: die Liebe zum Detail, die Schokoladenliebe, die Eltern-Kind-Liebe, die Hassliebe usw. Allen gemeinsam ist: sie sind abstrakt, die Liebe ist nicht konkret zu fassen sondern manifestiert sich vielleicht als eine bestimmten Erregung des Gehirns, so wie die Wahrnehmung der Farbe Rot. Naturgemäß sind abstrakte Entitäten nicht beweisbar, es sei denn, man schränkt den Beweis auf einen abstrakten Gültigkeitsbereich ein, was ich hiermit tue: bewiesen wurde weiter oben, dass ich existiere, und ich kenne ein Gefühl, das ich selber „Liebe“ nenne, also existiert die Liebe. Von anderen Personen wurde mir glaubhaft versichert, dass sie ein ähnlich gelagertes Gefühl empfinden, in der Praxis verlasse ich daher meinen Solipsismus und gehe von der Existenz andere liebender Personen aus. Beweise für die Existenz dieser Personen habe ich leider nach wie vor nicht, aber die Liebe ist doch der beste Anscheinsbeweis für die Existenz andere Personen, den ich habe. Das nur nebenbei.

    Beweis für die Existenz Gottes

Für die Existenz Gottes (m/w) gibt es bereits einige bewährte Beweise, eigentlich Anscheinsbeweise, der Interessierte schlage zum Beispiel den kosmologischen, teleologischen oder ontologischen Gottesbeweis nach. Ich jedoch, da ich schon sehr elegant die Existenz von mir und der Liebe vollzogen habe, kann mir einen weiteren Beweis sparen, indem ich einfach auf das vierte Buch des neuen Testaments verweise: „Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.” – 1. Johannes 4, 8

Ich hoffe, ich konnte schlüssig darlegen, dass ich, die Liebe und Gott existieren. Im kurzen zweiten und letzten Teil dieser Miniserie soll daraus eine entscheidende Schlussfolgerung gezogen werden.

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Der sINN des Universums (2a): Mögliche Ursachen der Unbekanntheit des sINNs

2. März 2010

Wieder ist es nötig, ein Paralipomenon zum vorherigen Artikel nachzustellen. Zwischen den später zu erörternden Möglichkeiten 2 (der sINN ist aufgrund mangelnder epistemologischer Möglichkeiten nicht zugänglich) und 3 (die Unbekanntheit des sINNs ist teleologischer / noosphärischer Natur) gibt es nämlich eine Art „Hybridlösung“, die unbedingt erwähnt werden muss. Ein aufmerksamer Leser teilte dies mit:

Hochverehrter Herr wURST,

Sie sind gebenedeit unter den Blogschreibern. Ihr Reich komme, Ihr Wille [… Anm. des Blogautors: Wieso wird Gott im Allgemeinen eigentlich geduzt? Hat er es angeboten?]

Nun zu meiner Aussage: Dieser von Ihnen so herrlich erörterte sINN war mir bis vor einiger Zeit bekannt. Inzwischen habe ich ihn leider vergessen.

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Dem ist nicht viel zuzufügen. Tatsächlich wäre es möglich, dass der sINN einst bekannt war, jedoch (was sowohl vorteilig als auch nachteilig sein könnte) einfach vergessen wurde.

Tatsächlich ist das Vergessen ein wichtiger Bestandteil der mentalen Sphäre. Nicht nur, dass es als Kapazitätsschutz dient, denn entgegen einiger populärwissenschaftlicher Mythen ist die Speicherkapazität des Gehirns sehr wohl beschränkt. Die Kapazität ist durch die Art der assoziativen Datenverarbeitung schwer in Bits und Bytes konvertierbar, wird aber auf ca. zwei bis acht Terabyte geschätzt. Insofern hat das Vergessen die wichtige Funktion der „Garbage Collection“.

Das Vergessen hat aber noch andere Funktionen. Junge Eltern eines Kleinkinds können sich oft kaum vorstellen, den erheblichen Stress der Elternschaft ein weiteres Mal auf sich zu nehmen. Erst nach der Geburt des nächsten Kindes fällt ihnen der Schlamassel wieder ein. Hier dient das Vergessen also der Arterhaltung.

Allgemein gesprochen gibt es unzählige Gelegenheit zum Beispiel auch in Kommunikation und Zwischenmenschlichkeit, das Vergessen als Segen und nicht als Defizit zu empfinden. In der Tat ist es verwunderlich, dass außer allen möglichen albernen Gehirnjogging Produkten nicht auch ein paar ganz vernünftige Memory Burner angeboten werden.

Es kann eingewendet werden, dass es ja nicht nur wichtig ist überhaupt vergessen zu können, sondern auch das Richtige zu vergessen, und dass es ja wohl kaum vernünftig sein kann und deswegen weit hergeholt ist, dass der sINN – wahrscheinlich kollektiv – vergessen wurde.

Ob es sinnvoll war den sINN zu vergessen, steht auf einem andere Blatt. Ganz unwahrscheinlich ist es jedoch nicht. Auch andere bedeutende Informationen sind in wenigen Jahrtausenden verloren gegangen, zum Beispiel die Technik der Erbauung vieler Pyramiden oder die Herstellungsweise der darin gefundenen Artefakte (Amphoren, deren Hohlräume „ums Eck“ gefräst wurden).

Das Informationszeitalter wird diese Form des Vergessens nach Meinung des Blogautors übrigens nicht unwahrscheinlicher machen. Unsere Nachfahren werden in 150 Jahren zu Recht mit einiger Skepsis auf die Berge aus Wikipedia-Datenmüll, WordPress-Blogmüll und den ganzen virenzerfressenen Spam schauen, der heute produziert wird. 1000 Jahre später wird darüber gestritten, ob es das Internet je gegeben hat, und ob auch Speisen und Getränke per E-Mail verschickt werden konnten.

Wäre es nicht so, dann würden die neuronalen Netze (=Gehirne) der Menschen überoptimieren und in einem lokalen Maximum steckenbleiben, was nichts anderes bedeutet als Stagnation aufgrund einer als optimal angenommenen Lösung. Den gleichen Fehler vermeidet die genetische Evolution durch Kreuzung, (nur) partielle Selektion und Mutation, man könnte sagen, dass auch die Replikationsmechanismen des Genoms vergessen.

Zusammenfassend: Das Vergessen ist eine plausible Ursache dafür, dass der Blogautor den sINN nicht kennt. Andere plausible Lösungen folgen demnächst hier, im phänomenal-holistischen, astro-spatialen hANNES wURST Transzendentalblog.

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Der sINN des Universums (2): Mögliche Ursachen der Unbekanntheit des sINNs

19. Februar 2010

Kurze Rekapitulation:  der hier gesuchte sINN ist ein aus sich selbst heraus sinnvoller, überzeitlicher und überräumlicher Sinn des Universums. Gibt es einen solchen sINN, dann „infiziert“ er wahrscheinlich andere Vorgänge und Zustände mit seiner sINNhaftigkeit. Die Vorgänge jedoch, die nicht sINNvoll sind (weil sie zum Beispiel durch Überdeckung für die Sache des sINNs gar nicht auftreten), wurden sCHROTT genannt.

Gegen diesen Begriff habe ich jedoch Zusendungen mit Einwänden erhalten. Stellvertretend für den Tenor der  Leserreaktionen sei Folgendes aufgeführt:

Hochverehrter Herr wURST,

Sie sind nicht nur außerordentlich visionär und intelligent, sondern auch unglaublich mutig. Ich habe dies auch in Davos angesprochen, und habe nur Zustimmung erfahren: Sie sind tatsächlich […]

Nun zu meiner Frage: wieso nennen Sie alles, was keinen „sINN“ hat – dessen Existenz ja Ihrer Meinung nach ungewiss ist – einfach nur sCHROTT? Das erscheint mir unnötig despektierlich.

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Ich muss dem Kommentator Recht geben. Zwar habe ich den Ausdruck „sCHROTT“ mit Bedacht gewählt, denn tatsächlich muss was Schrott ist ja nicht Schrott bleiben, zum Beispiel weil es wiederverwertet wird, jedoch hat der Ausdruck ein Geschmäckle, und das ist nicht im Sinne des Sache. Vorgänge und Zustände, die den weiteren Verlauf der Zeit nicht sinnvoll beeinflussen, sollen daher ab jetzt „tRAUM“ heißen.

Es gibt also eventuell sINN, ganz sicher jedoch tRAUM (jedenfalls meinen). Wem auch der Traum als Metapher noch zu abwertend erscheint, der möge sich an den Ausspruch des Pindar (als Jesus noch lange im Ententeich war) erinnern: „Eines Schatten Traum ist der Mensch.“

Jetzt geht es zur Sache. Warum kennt (zumindest der Blogautor) den sINN des Universums nicht? Einige Erklärungsversuche:

1)      Es gibt keinen sINN.

2)      Es gibt einen sINN, aber der Blogautor ist aufgrund mangelnder (z.B. intellektueller) Fähigkeiten nicht in der Lage, diesen zu erfassen.

3)      Es gibt einen sINN, aber der intellektuelle (epistemologische) Zugang ist dem Blogautor verwehrt, weil ein solcher Zugang andere Ziele gefährden könnte.

Möglichkeit 1 bedarf keiner weiteren Betrachtung. Wenn es keinen sINN gibt, dann ist alles tRAUM und der Mensch muss sich mit lokalen Sinnzusammenhängen begnügen beziehungsweise er schafft sich den Sinn seines Lebens (und damit, da die Welt die jeweilige Vorstellung des Subjekts ist, auch des Universums) selber. Dies ist wohl die plausibelste Variante – aber für den Philosophen vielleicht ein wenig unergiebig.

Möglichkeit 2 ist nur dann interessant, wenn dieser Zustand vorübergehend ist, oder wenn dieser Zustand nur für den Blogautor gilt. Dann kann in Form von Detektivarbeit vielleicht doch noch ein sINN aufgespürt werden. Dieses Blog befasst sich damit jedoch nicht weiter, da hier philosophiert und nicht herumgeschnüffelt werden soll.

Möglichkeit 3 erscheint einerseits unwahrscheinlich, ist andererseits philosophisch sehr ergiebig, und soll alleiniger Gegenstand der weiteren Untersuchung sein. Möglichkeit 3 umfasst eine große Gruppe von Eventualitäten, die ihren Charme daraus ziehen, dass der sINN nicht bekannt ist, weil es nicht sINNvoll wäre, den sINN zu kennen.

Der sINN wäre dann vielleicht deshalb unbekannt, weil – ähnlich wie bei einem Scherz mit versteckter Kamera oder einer Blindstudie – Vorgänge und Zustände durch die Unergründlichkeit des Gesamtzusammenhangs an Effektivität gewinnen oder dadurch erst sINNvoll sein können.

Freuen Sie sich auf die nächste Folge, in der das hANNES wURST Blog einige der erstaunlichen möglichen Ursachen von gefühlter sINNlosigkeit (=tRÄUMerei) beleuchtet.

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Der Sinn des Universums (1a)

15. Januar 2010

Angekündigt war eigentlich die Frage nach der seltsamen Unbekanntheit des Sinns des Universums. Jedoch erreichte uns  zur Definition des „Sinnes“ eine mehr oder weniger bedeutsame Frage von einem Kommentator (der anonym bleiben möchte). Diese Frage kann nicht einfach übergangen werden. Wer jedoch mit der bisher gegebenen Definition zufrieden ist, der möge ohne Umschweife auf den Artikel „Der Sinn des Universums (2)“ warten und diesen Artikel übergehen.

Hier die angesprochene Elektropost:

Hochverehrter Herr wURST,

mit größtem Interesse verfolge ich ihr ambitioniertes Projekt zur Erforschung des Sinns des Universums. Sie sind ein Genie, und ich hoffe sehr, dass auch wir bodenständigeren Leute (ich bin ein einfacher Neurophysiologe) durch das Studium Ihres Blogs ein wenige Erleuchtung in unser schattiges Leben […]

Nun meine bescheidene Frage. Was bedeutet „Intention“ in Ihrer zuletzt gegebenen Definition:  „Sinn ist die Intention einer Handlung oder das intendierte Produkt einer Handlung.“?

Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]

Der Leser wird vielleicht erkennen, worauf diese so unschuldig daherkommende Frage abzielt: auf die scheinbare Zerstörung jeder Grundlage für die Existenz jeden Sinnes. Eine Intention nämlich setzt eine mehr oder weniger konstante Motivation eines Subjekts voraus, die im Menschen durch den sogenannten „freien Willen“ verursacht wird. Dieser freie Wille ist ein philosophisch hoffnungslos überladenes Konstrukt, dessen Existenz regelmäßig bezweifelt wird.

Tatsächlich ist es so, dass einige Experimente nahelegen, dass der individuelle Wille nichts anderes ist als der trügerische (aber aus Koordinationsgründen überlebenswichtige) Eindruck des Subjekts, die Aktionen befohlen zu haben, die der Körper des Subjekts ausführt. Dass es sich dabei eben nur um ein Gefühl und keine Tatsache handelt, das legt zum Beispiel das Libet-Experiment nahe oder erst recht die Elektrostimulation bestimmter Hirnareale, die sowohl das Zucken von Gliedmaßen auslöst, als auch des Gefühl des Probanden, dieses Zucken willentlich hervorgerufen zu haben.

In einem innigen Verhältnis zu den Fragen nach der Willensfreiheit stehen die Theorien zum Determinismus (kurz: die physikalische Notwendigkeit, dass alles so kommt, wie es kommt, und keiner konnte je etwas daran ändern) des Universums ein. Für jede mögliche Kombination von Determinismus und Willensfreiheit gibt es Vertreter, so zum Beispiel auch die Meinung, dass das Universum komplett determiniert ist und dennoch Willensfreiheit existiert. Dies kann an dieser Stelle aus Kostengründen (Aufmerksamkeitsökonomie) nicht vertieft werden.

Es bleibt jedoch leider dabei: die Existenz von Intention im Sinne von Willensfreiheit ist tatsächlich unbewiesen. Allerdings: auch wenn es möglich ist, dass der Mensch keinen freien Willen hat, bedeutet das nicht, dass es keinen freien Willen gäbe. Aber auch die Nicht-Existenz von Willen und Intention lässt Raum für die Suche nach dem Sinn des Universums.  Die Fragestellung ist aporetisch und niemand hat behauptet, dass transzendenter Sinn überhaupt existiert. Hier wird nur mit Möglichkeiten und vielleicht noch mit Plausibilitäten und Wahrscheinlichkeiten gearbeitet, sicherlich auch mit Wunschvorstellungen.

Wenn es also keine Intention gibt, dann löst sich die gegebene Definition wie folgt auf: „Sinn ist nicht-existent oder das Produkt von Nicht-Existenz.“ Mit anderen Worten: es gibt keinen Sinn, es sei denn, Sinn kann auch aus etwas Nicht-Existenten entstehen. Was einigermaßen seltsam wäre, denn demnach könnte es ähnlich wie es einen unbewegten Beweger im kosmologischen Gottesbeweis gibt, auch einen sinnlosen Sinngeber im hANNES wURSTschen Sinnbeweis geben.

Die Untersuchung kann dann hoffentlich bald mit der Frage fortschreiten, warum (zumindest dem Schreiber) der Sinn des Universums nicht bekannt ist.

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Der Sinn des Universums (1)

13. Januar 2010

Die Erforschung der Sinnhaftigkeit aller Dinge ist die wichtigste Triebfeder philosophischer Neugier. Da die Ergebnisse jedoch allesamt spartanisch ausfallen, wird hier der Frage nach dem Sinn des Universums mit frohem Mut und ohne Rücksicht auf Verluste zuleibe gerückt.  Begeben Sie sich mit dem hANNES wURST Blog auf einen aporetischen Ausflug mit unbekanntem Ziel.

In diesem ersten Teil wird geklärt, was „Sinn“ überhaupt ist. Nicht gemeint sind die menschlichen Sinne („Geruchsinn“ etc.) und auch nicht der Uhrzeigersinn, sondern der Sinn eines Vorgangs oder eines Zustands. Die Nominalisten unter Ihnen brauchen nicht weiterzulesen, da der „Sinn“ demgemäß eine abstrakte Entität ist.

Ein paar Anwendungsfälle zeigen die schwierige genaue Verortung der Bedeutung von „Sinn“:

  1. „Der Sinn des Berges ist, mein Herz zu erfreuen.“ Dies ist eine problematische Aussage, da der Berg wahrscheinlich schon längst existierte, bevor die Existenz des Herzens des Sprechers absehbar war. Dennoch: theologisch (und teleologisch) macht die Aussage Sinn, da die Schöpfung unter anderem auch den Sinn hat, das Herz des Sprechers zu erfreuen. Daran wird deutlich: der Sinn des Zustands kommt und geht hier mit der Intention des Erzeugers des Zustands. Wenn der Sprecher den Sinn des Berges einfach zu seiner Privatsache erklärt, dann erscheint das wenig plausibel. Der Sprecher schafft sich dann diesen Sinn, er kann also sagen „ich nutze den Berg in dem Sinnne…“ aber er kann nicht sagen „der Berg hat den Sinn…“.
  2. „Der Sinn des Handkäs ist, mir wohl zu munden.“ Weniger problematisch. Jedenfalls dann, wenn der Handkäs vor allem für den Verzehr des Sprechers gedacht war. Hat der Sprecher den Handkäs geklaut, dann scheint die Aussage nicht plausibel – eher hat der Sprecher den Handkäs seines Sinnes entstellt oder ihn zumindest gebeugt. Hier zeigt sich, wie nah Sinn und Semantik verwoben sind. Die Handlung der Handkäsherstellung gleicht einem kommunikativen Akt. Ebenso könnte ein Lob hergestellt werden und nur für einen bestimmten Empfänger gemeint sein. Deswegen scheint es unnötig, Sinn und semantischen Sinn voneinander abzugrenzen.
  3. „Der Sinn der Leber ist der Abbau von Blutalkohol.“ Problematisch. Erstens: die Leber wurde von „der Natur“, „der Evolution“ oder „von Gott“ hergestellt. Die Evolution (das gilt auch für alle anderen natürlichen Vorgänge) scheint sinnvoll, die trainierte Leber als überlebenswichtiges Organ erst recht. Aber: wer nicht gerade Kreationist ist, der geht wahrscheinlich davon aus, dass die Leber aufgrund einer natürlichen Notwendigkeit  so ist wie sie ist. Hier wird also der Leber ähnlich wie dem Berg in Beispiel 1 ein Sinn verliehen. Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem der Sinnfindung. Nach dieser Logik hat der Berg für den Atheisten keinen Sinn. Das wird der Atheist bestreiten, denn er ist ja nicht zwangsläufig ein Nihilist. Das nächste Beispiel hilft weiter.
  4. „Der Sinn des Wegweisers ist es, den Weg nach Rom zu weisen.“ Dazu stelle der Leser sich bitte einen spitzen Stein vor, der tatsächlich Richtung Rom zeigt. Zufällig, denn tatsächlich handelt es sich um einen natürlich so entstandenen Stein. Außerdem wurde mit zittriger Schrift „Roma“ in den Stein eingraviert. Auch rein zufällig von Wind und Regen aufgrund seltsamer Steinbeschaffenheit und seltener Witterung. Froh folgt der Wanderer, ein Atheist, dem sinnvollen Wegweiser. Ein anderer holt ihn ein und sagt: „Dieser Stein hat überhaupt keinen Sinn!“ Der Erste: “Zeigt er denn den Weg nach Rom?“ Der Andere: „Ja, aber nur rein zufällig.“ „Also hat er durchaus Sinn!“ „Wie sollte er, der Regen hat ihn geschliffen.“ „Spätesten jetzt hat er Sinn, denn ich lasse ihn so wie er ist.“

Vielleicht kann man den Konflikt der Wanderer so lösen: der erste Wanderer, hier der Atheist, definiert Sinn so: „Sinnvoll ist das, worin ich Sinn sehe.“ Der Zweite, vielleicht ein Theologe, ein Metaphysiker oder ein Aporetiker: „Sinn ist die Intention einer Handlung oder das intendierte Produkt einer Handlung.“

Diese Perspektive des Aporetikers ist die Perspektive, die im Folgenden bei der Suche nach dem Sinn des Universums eingenommen wird. Es wird also nach dem Sinn in Form eines Kommunikationsakts geforscht, systemtheoretisch nach einem Sinn der außerhalb der menschlichen Gedankensphäre verankert ist.

Das zweite Sujet, das Universum, ist einfacher definiert: die Summe alles Existierenden. Also auch jenseits des transzendentalen Horizonts Existierende. Es gibt demnach nur genau ein Universum. Quantenmechanische „Many-Worlds“ Interpretationen lassen wir außen vor, denn sie tun bei näherer Betrachtung nichts zur Sache.

Wie der Leser sich schon denken kann, geht es im Folgenden vor allem darum, ob das Universum ein Berg oder ein Handkäs ist. Dazu wird in der nächsten Folge ermittelt, warum der Sinn des Universums (zumindest dem Schreiber) eigentlich unbekannt ist.

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