Von Trier kommt so schnell nicht mehr nach Cannes, aber mancher Gläubige wird sich vielleicht gerade jetzt die Frage stellen, ob es nach dem Tod ein Wiedersehen mit Adolf Hitler gibt.
Da ich Gott bin, kann ich diese Frage eindeutig beantworten: ja, Hitler ist im Himmel. Das mag einigen Menschen, die stets bemüht sind, ein Leben nach dem Vorbild meines Sohn Jesu zu leben, übel aufstoßen, deswegen möchte ich mich in dieser Hinsicht kurz erklären. Schuld und Strafe sind irdische Konzepte, die im Himmel keinerlei Bedeutung haben. “Schuld” lädt ein Mensch durch willentliche Handlungen auf sich, die hoheitlich als schädlich angesehen werden. Allerdings verfügt der Mensch nicht über einen freien Willen, vielmehr ist jede Handlung des Menschen vollständig berechenbar, allerdings ist diese Rechnung so kompliziert, dass nur ich sie verstehe. “Strafe” dient dem Menschen als Instrument der Abschreckung und der Rache. Da der Verbleib von “bösen” Menschen nach dem Tod den Überlebenden jedoch unbekannt ist, kann von Höllenqualen keine Abschreckung mehr ausgehen und sie können auch keine Rachegelüste mehr befriedigen. Die „Hölle“ ist also eine Erfindung der Menschen.
Manchmal wird kolportiert, dass das Leben mein größtes Geschenk an die Menschen gewesen sei. Dies ist unrichtig. Mein größtes Geschenk an die Menschen war der Tod. Wäre der Mensch unsterblich, dann wäre es sehr schwierig, eine geeignete Strafe für Adolf Hitler zu finden. Wie es ist, ist es jedoch gut: Hitler ist tot, und das einzige was der Mensch tun kann um noch Abschreckung und Rache zu üben, ist diejenigen zu bestrafen, die in irgendeiner Weise eine Art von Stellvertreterrolle für ihn übernehmen.
Und wie ist es mit dem Wiedersehen? Nun, eines Tages, lieber Leser, werdet auch ihr vor Euren Schöpfer treten und in mein Antlitz blicken, und ihr werdet darin Adolf Hitler sehen, und ihr werdet darin Euch selber sehen.
Zum Artikel Beweise (1) erhielt ich eine Zuschrift, die seltsamerweise in Stil und Inhalt sehr dem ähnelt, was auch zum “Sinn des Universums” so eintrudelte:
Hochverehrter Herr hANNES wURST,
mit größtem Interesse verfolge ich auch Ihre derzeitige Publikationsserie. Ich bin beeindruckt und verneige mich vor so viel Scharfsinn.
Als philosophischer Laie quält mich jedoch eine Frage: Sie haben bewiesen, dass Sie selbst, Ihre Liebe und Ihr Gott existieren. Allerdings nur sich selbst. Kann man mit so einem Beweis denn irgendetwas anfangen?
Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]
Selbstverständlich habe ich den ketzerischen Unterton dieser Zuschrift nicht überlesen. Dennoch ist die Frage berechtigt und zufälligerweise ist die Kernaussage von “Beweise (2)” auch die Antwort auf die Frage. Ich habe bewiesen, dass ich, die Liebe und Gott für mich existieren. Daraus kann vernünftigerweise nur eine Schlussfolgerung synthetisiert werden:
Ich bin der liebe Gott
Wenn Sie das jetzt lesen, und denken “ich aber auch”, dann gebe ich Ihnen Recht. Außer: Falls Sie sich selber böse finden, dann sind Sie natürlich der böse Gott. Da jedoch das lieb oder böse sein im göttlichen Kontext vollkommen belanglos ist, sollte man lieber sagen, dass wir beide – Sie, verehrter Leser, und ich, hANNES wURST – der empathische Gott sind.
Da es tatsächlich nur einen Gott gibt, sind Sie ich usw., sofern Sie nicht eine Täuschung sind die ich selber erfunden habe. Übrigens bin ich daher Papst und Gott in einer Person, denn ich bin Diskordianischer Papst.
Der Sinn des Universums ist damit zwar noch nicht geklärt, obwohl jeder Tertianer, der meine bisherigen Ausführungen gelesen hat, sich diesen jetzt zusammenreimen kann. Man lese zum Beispiel noch einmal meine Darlegungen zur Unwissenheit nach. Dennoch werde ich den sINN demnächst an dieser Stelle endgültig aufdecken.
Übrigens ist das Aufblitzen des Wissens um die eigentliche Göttlichkeit auch die häufigste Ursache von Psychosen. In der Psychose wird dem Patienten plötzlich klar, dass er über Wissen verfügt, über das er logischerweise (bzw. laut herkömmlicher Vorstellung) gar nicht verfügen kann. Man sitzt zum Beispiel arglos in der Kantine und weiß plötzlich, was der Gesprächspartner denkt. Unser Bewusstsein ist darauf getrimmt, solche Situationen kurzzuschließen, indem ein lawinenartiger Realitätsverlust provoziert wird. Denn Du sollst noch nicht wissen, dass Du Gott bist – und das hat auch einen Sinn.
Es ist schwer, irgendetwas zu beweisen. Erst recht dann, wenn als Bezugsrahmen des Beweises kein theoretisches Konstrukt, wie zum Beispiel die Mathematik, sondern das Leben gesetzt wird. In Vorbereitung der Fortsetzung der Erfolgsserie „Der Sinn des Universums“ werde ich dennoch versuchen, in einer (nur zweiteiligen) Serie einige elementare Dinge zu beweisen. Berufsphilosophen können sich die Lektüre getrost sparen, der Novize jedoch möchte unbedingt weiterlesen, um das große Finale des „Sinns des Universums“ verstehen zu können.
Beweis für die Existenz von überhaupt etwas
Descartes hat mit einem der wenigen überhaupt gültigen philosophischen Hauptsätze „Cogito ergo sum“ alles Nötige gesagt. Egal, wie eifrig ich versuche das Universum auf Schein und Täuschung zu reduzieren, es wird mir doch nicht gelingen, mich selber wegzudenken. Zwar kann ich mir klarmachen, dass ich aus Staub wurde und zu Staub werde und ich kann auch zu Recht anzweifeln, ob ich so bin wie es mir scheint. Zweifelsohne wäre es zum Beispiel möglich, dass ich – hANNES wURST – in Wahrheit ein Simulation bin die denkt dass sie hANNES wURST wäre. Ein beliebtes Science Fiction Sujet. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich für mich dann in dem Sinne in dem der Philosoph Existenz definiert tatsächlich existiere. „Ich denke also bin ich“, oder, etwas neutraler „da denkt doch was also ist da auch was“ bleibt also gültig. Wenn Sie, lieber Leser, diese Zeilen lesen und denken „ich aber auch“ dann gebe ich Ihnen Recht. Sicherlich kann jeder sich seine Existenz nur selber beweisen. Ohne weiteres wäre es möglich, dass Sie – lieber Leser – ich – hANNES wURST – sind. Sie schreiben dieses blödsinnige Blog nach zu viel Alkoholgenuss oder aufgrund eines psychischen Krankheitszustandes selber, und wissen später nichts mehr davon. Solche Dinge passieren andauernd, sie ändern aber nichts an der Beweiskraft. Sofern „Sein“ nicht unbedingt physisches „Sein“ voraussetzt, bleibt der Existenzbeweis jedenfalls gültig. Was sich als Überleitung zum zweiten Beweis anbietet.
Beweis für die Existenz der Liebe
“Hätte ich allen Glauben, also dass ich Berge versetzte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.” – 1. Korinther 13,2. Den Glauben (an die Existenz) haben wir im ersten Beweis erledigt, es ist also nur angebracht den Beweis der Liebe anzuschließen. Das ist heikel, wie Liebende wissen, die sich mühen, den Geliebten die gefühlte Liebe möglichst glaubhaft zu machen. Es gibt unzählige Formen der Liebe: die Liebe zum Detail, die Schokoladenliebe, die Eltern-Kind-Liebe, die Hassliebe usw. Allen gemeinsam ist: sie sind abstrakt, die Liebe ist nicht konkret zu fassen sondern manifestiert sich vielleicht als eine bestimmten Erregung des Gehirns, so wie die Wahrnehmung der Farbe Rot. Naturgemäß sind abstrakte Entitäten nicht beweisbar, es sei denn, man schränkt den Beweis auf einen abstrakten Gültigkeitsbereich ein, was ich hiermit tue: bewiesen wurde weiter oben, dass ich existiere, und ich kenne ein Gefühl, das ich selber „Liebe“ nenne, also existiert die Liebe. Von anderen Personen wurde mir glaubhaft versichert, dass sie ein ähnlich gelagertes Gefühl empfinden, in der Praxis verlasse ich daher meinen Solipsismus und gehe von der Existenz andere liebender Personen aus. Beweise für die Existenz dieser Personen habe ich leider nach wie vor nicht, aber die Liebe ist doch der beste Anscheinsbeweis für die Existenz andere Personen, den ich habe. Das nur nebenbei.
Beweis für die Existenz Gottes
Für die Existenz Gottes (m/w) gibt es bereits einige bewährte Beweise, eigentlich Anscheinsbeweise, der Interessierte schlage zum Beispiel den kosmologischen, teleologischen oder ontologischen Gottesbeweis nach. Ich jedoch, da ich schon sehr elegant die Existenz von mir und der Liebe vollzogen habe, kann mir einen weiteren Beweis sparen, indem ich einfach auf das vierte Buch des neuen Testaments verweise: „Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.” – 1. Johannes 4, 8
Ich hoffe, ich konnte schlüssig darlegen, dass ich, die Liebe und Gott existieren. Im kurzen zweiten und letzten Teil dieser Miniserie soll daraus eine entscheidende Schlussfolgerung gezogen werden.
Wieder erhielten wir einige Zuschriften, die wir dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchten.
Hochverehrter Herr wURST,
wir sind ein kleiner aber feiner (ein Mitglied trug bis zur Adelsverfolgung einen Titel) Philosophierclub aus Castrop-Rauxel. Ihre Offenbarungen haben uns tief bewegt. Wir haben einen kleinen Tempel in unserem Clubraum eingerichtet.
Wir haben keine Fragen mehr.
Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]
Der Blogautor bittet darum, derartige kultische Handlungen zu unterlassen. Hier wird spekulative Philosophie betrieben, es werden jedoch keine Offenbarungen mitgeteilt. Hören Sie bitte auch nicht auf, nachzudenken. Es hätte keinen Sinn, Neopaganismus, Swedenborgianismus, Rosenkreuzertum, Scientologentum usw. durch Wurstanismus, Hannesianismus, Wurstkreuzertum, Wurstologentum usw. zu ersetzen. Ebenfalls wäre es unsinnig, den „Wurstturm“ in den Händen haltend in Fußgängerzonen herumzulungern. Wer dennoch seiner Verehrung Ausdruck verleihen möchte, der möge dieses Symbol ausdrucken und in einem Medaillon stets bei sich tragen:
Zur Sache. Wie weiter oben beschrieben ist der sINN des Universums möglicherweise deshalb unbekannt, weil das Universum tatsächlich eine Schöpfung ist, eine Komposition, und weil ein Akteur (m/w) innerhalb dieses Universums, wahrscheinlich das erschaffende Element selber, planmäßig diese Unwissenheit konstruiert hat.
Dies wäre eine nicht zu unterschätzende Leistung des Schöpfers (m/w), der definitionsgemäß den sINN ja kennt bzw. selber der sINN ist. Dies ist nicht weniger eine Singularität wie das „unbewegte Bewegende“, denn das Konzept des beschränkten Wissens muss für ein allwissendes Individuum vollkommen unbekannt sein. Überhaupt muss ein allwissendes, allmächtiges Individuum es äußerst schwer haben, sich die Existenz weiterer Individuen vorzustellen.
Kraft seiner Allwissenheit wird der Allwissende (m/w) stets wissen, was das Individuum jeweils denkt oder tun wird. Damit ist aus der Sicht des Allwissenden jedoch der Charakter der Individualität verlorengegangen; wer ein Individuum erschafft und alles über jeden Zustand dieses Individuums weiß, der wird die Handlungen des Individuums ungefähr so individuell finden wie einen zu Boden fallenden Stein.
Um also wirkliche Individuen – vielleicht nach dem Ebenbild des Schöpfers – zu erschaffen, muss der Schöpfer seine eigene Allwissenheit künstlich beschränken. Er muss eine partielle Unwissenheit konstruieren. Es ergibt sich daraus, dass auch die geschaffenen Individuen nicht allwissend sein können, da dann auch ihr Intellekt sozusagen einseitig mit dem Schöpfer direkt verbunden wäre. Die Schöpfer / Geschöpf Rolle würde sich quasi umkehren, das Geschöpf wäre allwissend, der Schöpfer kein Individuum mehr; ein Gedankenspiel das hier nicht weiter ausgeführt werden soll.
Oh süße Unwissenheit, größte Erfindung unseres geliebten Schöpfers (m/w). Aus der Erfindung der Unwissenheit ergibt sich quasi zwangsläufig auch die Beschränkung der Reichweite und der Lebenszeit. Wäre der Mensch unsterblich (es hätte dazu kommen können, denn nicht nur die Frucht der Erkenntnis sondern auch die Frucht der Unsterblichkeit war prinzipiell im Paradies verfügbar, was dann übrigens auch der Grund der Vertreibung aus dem Paradies war), dann würde er dem Universum bald viele Geheimnisse abringen und auch über sich selbst so gut Bescheid wissen, dass Dekadenz und Langeweile die Individualität nicht weiter wünschenswert erscheinen lassen dürften. Ebenso war es ein kluger Schachzug, die Reisegeschwindigkeit unter der Geschwindigkeit des Lichts zu fixieren (eine physikalische Notwendigkeit, die sich der Schöpfer, wie jede physikalische Notwendigkeit, einfach ausgedacht hat).
In der nächsten Folge – die vielleicht erst nach der Sommerpause erscheinen wird – soll praktisch ausgemalt werden, wie der Schöpfungsprozess vor sich ging, was voraussichtlich mit der Schöpfung passieren wird, und warum Menschen gerne mehr essen, als gesund ist. In der darauffolgenden Folge wird übrigens erklärt, was der Schöpfer davon überhaupt hat. Sofern es ihn gibt.
Bevor hier demnächst die Frage nach dem sINN des Universums weiter verhackstückelt wird, möchte ich mich mit einigen persönlichen Worten an die Bloggemeinde richten. Ohne Anspruch auf höhere Erkenntnis und prinzipiell auch ohne besondere Notwendigkeit gebe ich einen kurzen Abriss meiner bisherigen persönlichen Glaubensgeschichte zum Besten.
Im Alter von ungefähr 10 Jahren, während eines unsäglich langweiligen Schulgottesdienstes, fragte mich ein Mitschüler, ob ich eigentlich an Gott glaube. Einer kurzen Suche nach der lässigsten Antwort folgend und ohne tatsächlich eine Meinung dazu zu haben, verneinte ich die Frage. „Ich auch nicht nicht.“ sagte mein Mitschüler, der sich offensichtlich schon etwas intensiver mit der Materie befasst hatte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei dem ganzen Scheiss in der Welt einen Gott gibt.“ Unschwer wird der Leser darin das Theodizee-Problem erkennen, also die Frage, wie es einen guten und allmächtigen Gott geben kann, wenn dieser all das Unheil zulässt, dass seinen Kreaturen widerfährt.
Jedenfalls hat mich dieses Argument sofort überzeugt, für die nächsten 10 Jahre war das Kapitel „Gott“ für mich geschlossen, was soweit ging, dass ich mich weigerte, am weihnachtlichen Gottesdienst teilzunehmen, der von der ganzen Familie besucht wurde, die übrigens mit äußerster Gelassenheit auf individuelle Einstellungen zum Glauben reagiert.
Im Alter von ungefähr 20 Jahren (hach, es war eine so schöne Zeit) änderte sich etwas. Beim Beklettern eines großen Felsbrockens auf Rhodos durchfuhr mich plötzlich die Lösung des Theodizee-Problems. Jeder Aspekt hat mindestens zwei gegensätzliche Seiten, und so musste es wohl auch einen Gegenpol zu einem guten Gott geben – den Teufel. Ganz klar, Schuld am Übel dieser Welt hat der Beelzebub. Heute finde ich es erstaunlich, wie lange dieser naive Gedanke mir geholfen hat, das Theodizee-Problem zu überwinden, ich konnte wieder Kirchen besichtigen, auch den einen oder anderen Gottesdienst besuchen, ohne das Gefühl zu haben, verschaukelt zu werden. An Kommunion und Beichte nehme ich jedoch auch heute (noch?) nicht teil, auch die Firmung habe ich nicht nachgeholt.
Es gab damals ja immerhin noch kein Internet, ich konnte also auf „gute-frage.de“ nicht alles über Gott erfahren. In der Frühzeit von Compuserve jedoch machte ich einen amerikanischen Prediger ausfindig, den ich („Sie haben Post“) wiederum mit dem Theodizee-Problem nervte, um meine Geschichten vom Teufel zu überprüfen. Behutsam machte mir dieser Mann klar, dass der gefallenen Engel ein eher unbedeutender Nebendarsteller und Gottes Allmacht keineswegs durch ihn gefährdet sei. Dass es so Vieles gäbe, das der Mensch als „böse“ identifiziert, sei vielmehr dadurch verursacht, dass Gott den Menschen mit einem freien Willen beschenkt habe.
Ich finde es überhaupt nicht so leicht zu begreifen, was ein freier Wille mit Ausschwitz zu tun hat. Ein Gott, der nur ein Quäntchen gnädig ist, kann unmöglich einen Völkermord zulassen oder tagtäglich Kinder verhungern lassen. Diese Tragödien könnte man immerhin noch mit dem Handeln des Menschen erklären, aber was ist mit Naturkatastrophen, die ohne Verantwortung des Menschen unglaubliches Leid hervorrufen?
Es ist eine persönliche Herausforderung, Antworten auf diese Fragen zu finden. Die Welt könnte die „Beste aller möglichen Welten“ (Leibniz) sein. Gott könnte gestorben sein (vgl. Nietzsche) oder sich um den Menschen nicht (mehr) scheren. Ich möchte den Leser auch nicht mit meinen Überlegungen zum teleologischen oder kosmologischen Gottesbeweis langweilen. Und Jesus? Jesus is alright with me. Das Neue Testament ist für mich ein schönes Stück Soziallehre.
Einen weiteren Gottesbeweis, nämlich den ontologischen, habe ich sehr früh verworfen und dann für mich wiederentdeckt. Vereinfacht gesagt enthält der ontologische Gottesbeweis die Aussage, dass keine Vorstellung von Gott existieren könnte, wenn Gott nicht existieren würde. Auf logischer Ebene hat spätestens Kant nachgewiesen, dass der ontologische Gottesbeweis höchstens eine Tautologie ist.
Für mich persönlich jedoch ist der ontologische Aspekt der, dass Gott in den Gedanken der Gläubigen tatsächlich existiert. Besuche ich einen Gottesdienst (was ich persönlich leider sehr selten tue) und begebe mich zu den meist wenigen und oft älteren Anwesenden, stehe, knie, bete und singe mit ihnen, dann ist dies eine Chance Abstand von mir selbst zu nehmen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl zu empfinden. Dieses Gefühl, das Teil jeden Gebetes ist, ist für mich das zentrale Element der Gläubigkeit. Ich glaube, vor allem, dass ich niemals allein bin.
Selbstverständlich könnte ich diesen Glauben, der ja in erster Linie aus der Summe aller Bewusstseinsinhalte besteht, auch isolieren und der katholischen Kirche mit ihren offensichtlichen Fehlern die kalte Schulter zeigen. Mein Glaube ist vielleicht auch eher in der Memetik oder der Abkehr von der personalen Identität (sehr schön beschrieben in Kapitel 3 in Derek Parfits „Reasons and Persons“) fundiert. Ich fühle mich jedoch trotz dieser Widersprüche der christlichen Glaubensgemeinschaft verbunden, das hat auch etwas mit Heimat zu tun.
Da ich mir all dies von der Seele geschrieben habe kann ich demnächst endlich wieder der Aporetik freien Lauf lassen, es geht dann wahrscheinlich weiter mit der Bedeutung von „Unbekanntheit“ in „Mögliche Ursachen der Unbekanntheit des sINNs“. Wer bis hierhin gelesen hat und mit hochgezogenen Augenbrauen vor dem Bildschirm sitzt, dem sei aber doch wenigstens noch etwas zum „Sinn des Lebens“ mitgegeben:
Wieder ist es nötig, ein Paralipomenon zum vorherigen Artikel nachzustellen. Zwischen den später zu erörternden Möglichkeiten 2 (der sINN ist aufgrund mangelnder epistemologischer Möglichkeiten nicht zugänglich) und 3 (die Unbekanntheit des sINNs ist teleologischer / noosphärischer Natur) gibt es nämlich eine Art „Hybridlösung“, die unbedingt erwähnt werden muss. Ein aufmerksamer Leser teilte dies mit:
Hochverehrter Herr wURST,
Sie sind gebenedeit unter den Blogschreibern. Ihr Reich komme, Ihr Wille [… Anm. des Blogautors: Wieso wird Gott im Allgemeinen eigentlich geduzt? Hat er es angeboten?]
Nun zu meiner Aussage: Dieser von Ihnen so herrlich erörterte sINN war mir bis vor einiger Zeit bekannt. Inzwischen habe ich ihn leider vergessen.
Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]
Dem ist nicht viel zuzufügen. Tatsächlich wäre es möglich, dass der sINN einst bekannt war, jedoch (was sowohl vorteilig als auch nachteilig sein könnte) einfach vergessen wurde.
Tatsächlich ist das Vergessen ein wichtiger Bestandteil der mentalen Sphäre. Nicht nur, dass es als Kapazitätsschutz dient, denn entgegen einiger populärwissenschaftlicher Mythen ist die Speicherkapazität des Gehirns sehr wohl beschränkt. Die Kapazität ist durch die Art der assoziativen Datenverarbeitung schwer in Bits und Bytes konvertierbar, wird aber auf ca. zwei bis acht Terabyte geschätzt. Insofern hat das Vergessen die wichtige Funktion der „Garbage Collection“.
Das Vergessen hat aber noch andere Funktionen. Junge Eltern eines Kleinkinds können sich oft kaum vorstellen, den erheblichen Stress der Elternschaft ein weiteres Mal auf sich zu nehmen. Erst nach der Geburt des nächsten Kindes fällt ihnen der Schlamassel wieder ein. Hier dient das Vergessen also der Arterhaltung.
Allgemein gesprochen gibt es unzählige Gelegenheit zum Beispiel auch in Kommunikation und Zwischenmenschlichkeit, das Vergessen als Segen und nicht als Defizit zu empfinden. In der Tat ist es verwunderlich, dass außer allen möglichen albernen Gehirnjogging Produkten nicht auch ein paar ganz vernünftige Memory Burner angeboten werden.
Es kann eingewendet werden, dass es ja nicht nur wichtig ist überhaupt vergessen zu können, sondern auch das Richtige zu vergessen, und dass es ja wohl kaum vernünftig sein kann und deswegen weit hergeholt ist, dass der sINN – wahrscheinlich kollektiv – vergessen wurde.
Ob es sinnvoll war den sINN zu vergessen, steht auf einem andere Blatt. Ganz unwahrscheinlich ist es jedoch nicht. Auch andere bedeutende Informationen sind in wenigen Jahrtausenden verloren gegangen, zum Beispiel die Technik der Erbauung vieler Pyramiden oder die Herstellungsweise der darin gefundenen Artefakte (Amphoren, deren Hohlräume „ums Eck“ gefräst wurden).
Das Informationszeitalter wird diese Form des Vergessens nach Meinung des Blogautors übrigens nicht unwahrscheinlicher machen. Unsere Nachfahren werden in 150 Jahren zu Recht mit einiger Skepsis auf die Berge aus Wikipedia-Datenmüll, WordPress-Blogmüll und den ganzen virenzerfressenen Spam schauen, der heute produziert wird. 1000 Jahre später wird darüber gestritten, ob es das Internet je gegeben hat, und ob auch Speisen und Getränke per E-Mail verschickt werden konnten.
Wäre es nicht so, dann würden die neuronalen Netze (=Gehirne) der Menschen überoptimieren und in einem lokalen Maximum steckenbleiben, was nichts anderes bedeutet als Stagnation aufgrund einer als optimal angenommenen Lösung. Den gleichen Fehler vermeidet die genetische Evolution durch Kreuzung, (nur) partielle Selektion und Mutation, man könnte sagen, dass auch die Replikationsmechanismen des Genoms vergessen.
Zusammenfassend: Das Vergessen ist eine plausible Ursache dafür, dass der Blogautor den sINN nicht kennt. Andere plausible Lösungen folgen demnächst hier, im phänomenal-holistischen, astro-spatialen hANNES wURST Transzendentalblog.
Dies ist der wirklich letzte Artikel über den Sinn des Wortes „Sinn“ in „Der Sinn des Universums“. Wer die Bedeutung bereits voll erfasst hat, möge mit „Der Sinn des Universums (2)“ fortfahren. Allen anderen wird dieser Artikel als zusammenfassende Darstellung empfohlen, die Erfassung der Bedeutung von „Sinn“ ist unbedingte Voraussetzung für das Verständnis von „Der Sinn des Universums (2)“ und anderen künftigen Artikeln.
Die folgende Illustration schematisiert unter Anderem einige Handlungen und Zustände, die für sich gesehen immanent sinnvoll sind.
Die hANNES wURSTsche sINNtraube
Jedoch haben selbst solche immanent sinnvollen Tätigkeiten wie die Kolonialisierung des gesamten Universums gemäß der vorliegenden Untersuchung keinen Sinn, wenn es keinen allumfassenden, ganz oben eingetragenen, Sinn des Universums gibt. Bildlich gesprochen ist dieser Sinn, der aus sich selbst heraus sinnvoll ist, der Anker, der die ganze darunter hängende Sinntraube hält, die jedoch jämmerlich ins Nichts zerfällt, wenn dieser Anker nicht vorhanden ist. Das hANNES wURSTsche sinnlose Sinngebende (im Folgenden „sINN“) ist die Grundlage für die eventuelle Existenz jeden anderen Sinnes, da diesen anderen Teilsinnen erst durch diesen sINN transzendenter Sinn verliehen wird.
Worin und woraus (ein wofür gibt es natürlich nicht) dieser sINN besteht, kann selbstverständlich nur Gegenstand von Spekulation sein, da die Erfassung dieses Sinnes jenseits des transzendentalen Erfahrungshorizonts liegt. Es lassen sich jedoch genügend Eigenschaften des sINNs feststellen, um eine metaphysische Untersuchung zuzulassen (es gibt allerdings auch Wenig, was keine metaphysische Untersuchung zulassen würde). Aus den letzten Artikeln können folgende Eigenschaften des sINNs entnommen werden.
sINN ist zeitlich und räumlich unbegrenzt
sINN verursacht kausal alles je Sinnvolle
Nicht alles je Existierende muss kausal durch sINN verursacht sein
Der letzte Satz bedarf einer Erläuterung, auch deshalb, weil sich hierin eine Unterscheidung von sINN und der traditionellen Auffassung eines allmächtigen, allgegenwärtigen Gottes zeigt. Es kann nämlich nicht vorausgesetzt werden, dass der sINN, auch wenn er existiert, das Universum vollständig durchdringt. Vielmehr ist es möglich, dass das Universum nicht nur aus sINN, sondern auch aus sCHROTT besteht.
Dieser sCHROTT entsteht durch sinnlose Vorgänge und Tätigkeiten, die selbst ein Laplacescher Dämon getrost außer Acht lassen könnte, wenn er den späteren Zustand des Universums bestimmt. Es handelt sich also um vollkommen nichtige Angelegenheit, die zwar theoretisch innerhalb des Gesamtsystems wirken könnten, es aber nicht tun, zum Beispiel weil eine Gegenwirkung eine Folgewirkung verhindert. sCHROTT liegt ebenfalls jenseits des Erfahrungshorizonts, diesmal aber unter diesem, denn er ist so nichtig, dass er nicht erfahren werden kann.
Es sei bemerkt, dass das Universum, sollte es nicht über einen sINN verfügen, in Gänze sCHROTT sein muss. In der nächsten Folge wird dann endlich der interessanten Frage nachgegangen, warum der Blogautor nicht einmal weiß, ob sINN existiert.
Erneut haben uns einige Kommentare zur bisherigen Erörterung des Sinns des Universums erreicht, die nicht ohne Weiteres übergangen werden können. Leser, denen die Definition von Sinn bereits klar ist, mögen ohne Umschweife auf „Der Sinn des Universums (2)“ warten. Stellvertretend für einen breiten Tenor der Fragenden soll die folgende Elektropost eines Lesers aufgeführt werden, der namentlich nicht genannt werden möchte:
Hochverehrter Herr wURST,
es zeichnet sich meiner Meinung nach ab, dass Ihre Kolumne den epochalsten erkenntnistheoretischen Fortschritt seit der KrV und SuZ hervorbringt. Sie sind offensichtlich selber transzendent, Sie müssen ein Außerirdischer sein oder von den Toten auferstanden um […]
Nun zu meiner Frage: ist Ihre bisherige Definition von „Sinn“ nicht ein wenig schmal? So ist zum Beispiel der Sinn der Handlung des Verzehrs eines Wurstbrotes, nämlich die Sättigung, definitorisch nicht abgedeckt.
Hochachtungsvoll
[Name ist der Blogadministration bekannt]
Der Kommentator hat vollkommen recht. Der Sinn einer Handlung, die nicht potentiell eine kommunikative Handlung ist, wird im Rahmen dieser Untersuchung ausgeschlossen. Ansonsten wäre der Sinn des Universums durch die mannigfaltigen Handlungen aller möglichen Geschöpfe im Universum offensichtlich. Der Sinn des Universums wäre dann nämlich, Herberge für unzählige Teil-Sinne zu sein, die vor allem aus Stoffwechsel, Reproduktion und ähnlichen immanent sinnvollen Vorgängen besteht.
Reproduktion und Stoffwechsel können jedoch höchsten Mittel zur Erfüllung des eventuellen eigentlichen Sinnes sein. Das gilt auch für Anliegen wie das der gerechten Lebensführung und der Fülle des individuellen Lebens. Diese Dinge sind biologisch immanent sinnvoll (häufig jedenfalls), für den Sinn des Universums jedoch wahrscheinlich von nachrangiger Bedeutung.
Um also „sinnvoll“ im Sinne diese Untersuchung zu sein, muss die Bedeutung einer Handlung oder eines Produkts tendenziell unbegrenzt sein. Das heißt, es muss zumindest als Teil einer Sinnkette fungieren können. So war beispielsweise das Handeln Christis oder Mohammeds potentiell sinnvoll, da ihre Lehren weitreichende Konsequenzen für die Menschheit hatten. Die Konsequenzen könnten wiederum Teil eines Plans sein, der in seiner tendenziellen Unbegrenztheit den eigentlichen Sinn der Handlungen von Mohammed und Christus ausmachen. Wenn jedoch die Menschheit sang- und klanglos untergeht, dann hatte das Handeln der Heiligen vielleicht noch immanenten Sinn, aber keinen Sinn im Sinne dieser Untersuchung.
Es kann eingewendet werden, dass „universaler, transzendenter Sinn“ laut dieser Definition nicht möglich ist, weil jede Bedeutung durch die Begrenztheit des Universums ebenfalls begrenzt ist. Tatsächlich ist es Meinung des Blogautors, dass ein zeitlich, räumlich oder inhaltlich beschränktes Universum sinnlos ist.
Ein Universum in Nietzsches Modell wäre ein Grenzfall. Sofern die ewige Wiederkehr tatsächlich eine immer gleiche Reproduktion der Gegebenheiten mit sich bringt, wäre das Universum (in Übereinstimmung mit Nietzsches Theorie) sinnlos im Sinne dieser Untersuchung. Sofern jedoch eine inhaltliche Begrenzung nicht gegeben ist und falls die Wiederkehr nicht bedeutet, dass früheres Wissen unwiderruflich verloren ist, könnte ein Universum in Form eines endlos geflochtenen Bandes durchaus sinnvoll sein.
Die Erforschung der Sinnhaftigkeit aller Dinge ist die wichtigste Triebfeder philosophischer Neugier. Da die Ergebnisse jedoch allesamt spartanisch ausfallen, wird hier der Frage nach dem Sinn des Universums mit frohem Mut und ohne Rücksicht auf Verluste zuleibe gerückt. Begeben Sie sich mit dem hANNES wURST Blog auf einen aporetischen Ausflug mit unbekanntem Ziel.
In diesem ersten Teil wird geklärt, was „Sinn“ überhaupt ist. Nicht gemeint sind die menschlichen Sinne („Geruchsinn“ etc.) und auch nicht der Uhrzeigersinn, sondern der Sinn eines Vorgangs oder eines Zustands. Die Nominalisten unter Ihnen brauchen nicht weiterzulesen, da der „Sinn“ demgemäß eine abstrakte Entität ist.
Ein paar Anwendungsfälle zeigen die schwierige genaue Verortung der Bedeutung von „Sinn“:
„Der Sinn des Berges ist, mein Herz zu erfreuen.“ Dies ist eine problematische Aussage, da der Berg wahrscheinlich schon längst existierte, bevor die Existenz des Herzens des Sprechers absehbar war. Dennoch: theologisch (und teleologisch) macht die Aussage Sinn, da die Schöpfung unter anderem auch den Sinn hat, das Herz des Sprechers zu erfreuen. Daran wird deutlich: der Sinn des Zustands kommt und geht hier mit der Intention des Erzeugers des Zustands. Wenn der Sprecher den Sinn des Berges einfach zu seiner Privatsache erklärt, dann erscheint das wenig plausibel. Der Sprecher schafft sich dann diesen Sinn, er kann also sagen „ich nutze den Berg in dem Sinnne…“ aber er kann nicht sagen „der Berg hat den Sinn…“.
„Der Sinn des Handkäs ist, mir wohl zu munden.“ Weniger problematisch. Jedenfalls dann, wenn der Handkäs vor allem für den Verzehr des Sprechers gedacht war. Hat der Sprecher den Handkäs geklaut, dann scheint die Aussage nicht plausibel – eher hat der Sprecher den Handkäs seines Sinnes entstellt oder ihn zumindest gebeugt. Hier zeigt sich, wie nah Sinn und Semantik verwoben sind. Die Handlung der Handkäsherstellung gleicht einem kommunikativen Akt. Ebenso könnte ein Lob hergestellt werden und nur für einen bestimmten Empfänger gemeint sein. Deswegen scheint es unnötig, Sinn und semantischen Sinn voneinander abzugrenzen.
„Der Sinn der Leber ist der Abbau von Blutalkohol.“ Problematisch. Erstens: die Leber wurde von „der Natur“, „der Evolution“ oder „von Gott“ hergestellt. Die Evolution (das gilt auch für alle anderen natürlichen Vorgänge) scheint sinnvoll, die trainierte Leber als überlebenswichtiges Organ erst recht. Aber: wer nicht gerade Kreationist ist, der geht wahrscheinlich davon aus, dass die Leber aufgrund einer natürlichen Notwendigkeit so ist wie sie ist. Hier wird also der Leber ähnlich wie dem Berg in Beispiel 1 ein Sinn verliehen. Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem der Sinnfindung. Nach dieser Logik hat der Berg für den Atheisten keinen Sinn. Das wird der Atheist bestreiten, denn er ist ja nicht zwangsläufig ein Nihilist. Das nächste Beispiel hilft weiter.
„Der Sinn des Wegweisers ist es, den Weg nach Rom zu weisen.“ Dazu stelle der Leser sich bitte einen spitzen Stein vor, der tatsächlich Richtung Rom zeigt. Zufällig, denn tatsächlich handelt es sich um einen natürlich so entstandenen Stein. Außerdem wurde mit zittriger Schrift „Roma“ in den Stein eingraviert. Auch rein zufällig von Wind und Regen aufgrund seltsamer Steinbeschaffenheit und seltener Witterung. Froh folgt der Wanderer, ein Atheist, dem sinnvollen Wegweiser. Ein anderer holt ihn ein und sagt: „Dieser Stein hat überhaupt keinen Sinn!“ Der Erste: “Zeigt er denn den Weg nach Rom?“ Der Andere: „Ja, aber nur rein zufällig.“ „Also hat er durchaus Sinn!“ „Wie sollte er, der Regen hat ihn geschliffen.“ „Spätesten jetzt hat er Sinn, denn ich lasse ihn so wie er ist.“
Vielleicht kann man den Konflikt der Wanderer so lösen: der erste Wanderer, hier der Atheist, definiert Sinn so: „Sinnvoll ist das, worin ich Sinn sehe.“ Der Zweite, vielleicht ein Theologe, ein Metaphysiker oder ein Aporetiker: „Sinn ist die Intention einer Handlung oder das intendierte Produkt einer Handlung.“
Diese Perspektive des Aporetikers ist die Perspektive, die im Folgenden bei der Suche nach dem Sinn des Universums eingenommen wird. Es wird also nach dem Sinn in Form eines Kommunikationsakts geforscht, systemtheoretisch nach einem Sinn der außerhalb der menschlichen Gedankensphäre verankert ist.
Das zweite Sujet, das Universum, ist einfacher definiert: die Summe alles Existierenden. Also auch jenseits des transzendentalen Horizonts Existierende. Es gibt demnach nur genau ein Universum. Quantenmechanische „Many-Worlds“ Interpretationen lassen wir außen vor, denn sie tun bei näherer Betrachtung nichts zur Sache.
Wie der Leser sich schon denken kann, geht es im Folgenden vor allem darum, ob das Universum ein Berg oder ein Handkäs ist. Dazu wird in der nächsten Folge ermittelt, warum der Sinn des Universums (zumindest dem Schreiber) eigentlich unbekannt ist.